Rede von Prof. Dr. Heyo Kroemer zum Jahresempfang 2017

JAHRESEMPFANG 2017 DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN
MONTAG, 4. DEZEMBER 2017 

REDE PROF. DR. HEYO K. KROEMER, SPRECHER DES VORSTANDES DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN 

Die UMG im Wandel: grundsätzliche Alternativlosigkeit und vielfältige Optionen

 

Bild von Prof. Dr. Kroemer sowie Dr. Siess

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

sehr verehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Gabriele Andretta,

sehr geehrte Frau Ministerin Honé,

sehr geehrte Staatssekretärin der Staatskanzlei, Frau Pörksen, und Staatssekretärin im MWK, Frau Dr. Johannsen,

sehr geehrte Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler und Konstantin Kuhle,

sehr geehrte Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer und Stefan Wenzel.

Verehrte Frau Universitäts-Präsidentin Beisiegel mit Vizepräsidentin Casper-Hehne und Vizepräsidenten Diederichsen und Lossau.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Köhler und Frau Bürgermeisterin Behbehani,

Frau von Campe, MWK, Mitglied im Stiftungsausschuss der UMG,

Herren Abteilungsleiter Mühlenmeier und Eichel aus dem MWK.

Sehr geehrter Prof. Heinze vom Universitätsklinikum Magdeburg als Vertreter des Wissenschaftlichen Beirats der Universitätsmedizin Niedersachsen.

Sehr geehrter Herr Dr. Hudy, Präsident der HAWK, mit seinem Präsidiumskollegen Herrn Viöl,

Herr Baum, Präsident der MHH.

Verehrte Frau Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen,

Kollegen Dekane der Fakultäten der Universität.

Ich begrüße Medizin-Nobelpreisträger Herrn Neher,

und den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, Rainer Hald.

Sehr geehrte Mitarbeiter und Kollegen aus den Ministerien und Landesbehörden, der Stadt Göttingen, der Wissenschaftseinrichtungen am Göttingen Campus, des Gesundheitscampus Göttingen, der Partnerkliniken (hier insbesondere die Leitung des Weender Krankenhauses, Herrn Karaus und Herrn Czeczelski), der Gesundheitseinrichtungen, der Gesundheits­region Göttingen, der Wirtschaft, der Ärzteverbände, Krankenkassen, Selbsthilfe­gruppen und Ehrenämter, der Religionsgemeinschaften,

Herrn Graells als Chefredakteur des GT sowie die zahlreichen Vertreter der Medien.

Liebe Kolleginnen und Kollegen aus der UMG, meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich darf Sie im Namen des gesamten Vorstands, d.h. auch meiner beiden Kollegen Dr. Martin Siess und Dr. Sebastian Freytag, sehr herzlich zu unserem 2017-er Jahresempfang begrüßen.

Ich freue mich außerordentlich, dass so viele von Ihnen, nämlich 525 Gäste, unserer Einladung gefolgt sind. Wie Sie meiner Begrüßung entnommen haben, decken die Anwesenden ein ganz breites Spektrum von politisch Verantwortlichen, Partnern und Freunden der Universitätsmedizin Göttingen ab.

In dieser kurzen Einleitung möchte ich mit Ihnen eine Reise durch das vergangene Jahr machen. Die Ausführungen im letzten Jahr standen unter dem Titel „UMG an Grenzen“. Man muss konstatieren, dass eine ganze Reihe dieser Grenzen im letzten Jahr erfolgreich überwunden wurden und ich Ihnen heute eine „Universitätsmedizin Göttingen im Wandel: alternativlose Entwicklungen und vielfältige Optionen“ vorstellen möchte.

Auch das letzte Jahr war wieder geprägt durch ganz außergewöhnliche Leistungen, etwa in der Krankenversorgung. Mit 7066 Vollkräften wurden 65.700 Patienten behandelt, knapp 2 Prozent mehr als in 2016 und es gab insgesamt 410.000 ambulante Kontakte (4 Prozent mehr als in 2015).

Brennpunkt war, wie seit geraumer Zeit, die Notaufnahme der UMG, die von 35.000 Menschen ambulant und stationär nachgefragt wurde. Wir haben insgesamt 700 Mio. Euro bewegt und im bereinigten Jahresergebnis eine schwarze Null geschafft. Die Vergütungssituation der Uni-Medizin bleibt schwierig: Deutschland ist nach wie vor das einzige Land in Europa, das seine Uni-Kliniken genauso behandelt wie alle anderen Krankenhäuser. Zur Änderung dieses Zustandes gab es ein besonderes Engagement des Landes Niedersachsen. Der Ministerpräsident hat das Thema der Vergütungen von Hochschulambulanzen auf die nationale Ebene gebracht und durch wesentliche Beiträge des MWK Abteilungsleiters Carsten Mühlenmeier sind wir hoffnungsvoll, Ihnen im nächsten Jahr an gleicher Stelle berichten zu können, dass die spezifischen Leistungen der Hochschulambulanzen dann adäquat vergütet werden.

Aus der ständig steigenden Nachfrage entsteht ein häufig übersehener, aber doch ganz enormer Wirtschaftsfaktor, nicht nur für die Region, sondern für Niedersachsen.

Die NordLB hat gerade in ihrem Niedersachsenreport die 50 größten niedersächsi­schen Unternehmen nach ihrer Wertschöpfung gerankt. Wenn man hier die beiden Universitätsmedizinen, nämlich die größere MHH und die UMG zusammenrechnet, sind wir mit einer gemeinsamen Wertschöpfung von 894 Mio. Euro die neunt-größte Unternehmensart, die es in ganz Niedersachsen gibt, einem Land, das immerhin durch VW und Continental geprägt ist. Fast 14.000 Arbeitsplätze gibt es in der Universitätsmedizin in Niedersachsen. Hier verbindet sich die staatlich zu garantierende Daseinsfürsorge in einer einmaligen Art und Weise mit wirtschaftlichen Aktivitäten und Forschung und Lehre.

Wir als UMG möchten sehr gern diese Dienstleistung für die Bürger des Landes Niedersachsen auch in Zukunft erfolgreich erbringen. Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein einer modernen Infrastruktur.

Hier liegt aktuell unser größtes Problem. In der Universitätsmedizin Göttingen ist konsequent und in noch größerem Maße als an der MHH über Jahrzehnte in den Erhalt ihrer Substanz buchstäblich nicht investiert worden. Die vorhandene Einrichtung ist an ihre Alters- und Funktionalitätsgrenzen gekommen. Dass hier von Seiten der Landesregierung eine Änderung herbeigeführt wurde, ist sicher das größte Highlight der Jahre 2016 und 2017.

Unter ausdrücklicher Führung des Ministerpräsidenten Stephan Weil, gemeinsam
mit dem Finanzminister, wurde ein Sondervermögen eingerichtet, das die Voraussetzungen dafür schafft, sowohl die UMG als auch die MHH baulich neu aufzustellen.

Wir haben in sehr kurzer Zeit nämlich zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni einen Masterplan für die Universitätsmedizin Göttingen entwickelt, diesen mit der Wissenschaftsministerin auch der Öffentlichkeit vorgestellt, und warten jetzt mit einer gewissen Spannung auf die Bewertung durch das Land.

Wenn es jetzt noch zeitnah gelingt, und daran wird im Moment intensiv gearbeitet, die Voraussetzungen für die Verwendung des Sondervermögens zu erfüllen, die sich auch im Koalitionsvertrag wiederfinden, nämlich der Abschluss eines Durchführungsvertrages und die Gründung einer Bau GmbH, dann sehr verehrter Herr Ministerpräsident, wäre es Ihnen gelungen, in einem für das Land extrem wichtigen Bereich einen existenziellen Problemstau zu lösen.

Wesentliche Voraussetzungen sind vorhanden, jetzt muss eine zeitnahe Umsetzung erfolgen. Es ist dabei klar, dass die Umsetzung eines solchen Projektes die Bereitschaft verschiedenster Stellen des Landes und der UMG erfordert, Verantwortung zu übernehmen.

Bei einem Vorhaben dieser Größe (über 2 Milliarden Euro an UMG und MHH) wird es keine Logenplätze geben, von denen man Prozessabläufe beeinflussen, modifizieren und aufhalten kann, ohne dafür die Konsequenzen zu tragen.

Vielleicht darf ich an dieser Stelle in einem Nebensatz sagen, dass wir als politische Endverbraucher des Landes Niedersachsen, ein bisschen stolz darauf sind, mit welcher Geschwindigkeit und Konstruktivität Sie, lieber Herr Weil, hier im Land die Koalitionsverhandlungen und die Regierungsbildung auf den Weg gebracht haben. Wenn dieser Vorgang ein Charakteristikum für die kommende Legislaturperiode ist und es Ihnen dann noch gelingt, die exquisite Administration dieses Landes von einer sehr starken Prozessorientierung in eine überwiegende Zielorientierung zu transformieren, dann kann man der Zukunft wirklich positiv entgegen sehen. Sie sollten in der Lage sein, das weiße Niedersachsen Pferd in den nächsten fünf Jahren erfolgreich über entscheidende Hürden zu führen.

Zurück zur UMG. Neben dem Bau ist unser zweites existentielles Problem unsere extrem rückständige Informationstechnologie. Auch hier hat das Land durch einen ungewöhnlichen Beschluss zum Ende der Legislaturperiode Abhilfe geschaffen.

Der UMG wurden insgesamt 23 Mio. Euro für die nächsten 5 Jahre zur Verfügung gestellt, um das IT-System auf Vordermann zu bringen. Dies wird zur Folge haben, dass wir im Januar 2018 die Ausschreibung für unser KIS-System starten können und im Laufe des Jahres 2018 eine Entscheidung dazu ansteht.

Ich möchte mich herzlich bei den Verantwortlichen für diese Zurverfügungstellung zusätzlicher Mittel bedanken, die ein zweites existenzielles Problem der UMG zu lösen hilft.

Wir sind uns bewusst darüber, dass die Tatsache, dass schon wieder Geld an die
UMG ging, nicht überall nur Glücksgefühle ausgelöst hat. Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir uns als Verantwortliche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür eingesetzt haben, und in diesem Zusammenhang vielleicht noch einmal an den Spruch erinnern, der die Eingangstür meines Gymnasiums in Aurich/Ostfriesland zierte, wo nämlich zu lesen stand: „Jedem redlichen Bemühen sei Beharrlichkeit verliehen.“ Vielleicht gelingt es, die Vorgänge unter einem solchen Motto zu subsumieren.

In der Informationstechnologie gelang uns ein weiterer wesentlicher Durchbruch. Im Rahmen des Medizininformatikprogramms des BMBF wurde, getragen von der UniMedizin Heidelberg, der MHH und der UMG, der sogenannte HiGHMED Antrag bewilligt.

Wir bekommen in diesem Konsortium 27 Mio. Euro, um die forschungsbezogenen IT aufeinander abstimmen zu können und damit fundamental neue Möglichkeiten zu bekommen, die den Patienten der UMG zu Gute kommen werden. Dies sollte ein erster großer gemeinsamer Schritt gemeinsam mit der MHH sein, dem hoffentlich noch viele folgen werden.

Unterhalb der Megaebene des Sondervermögens und der Informationstechnologie hat sich in der Infrastruktur der Universitätsmedizin doch einiges Bemerkenswertes getan: Mit einem eigenfinanzierten Abwasserkanal, der mit modernster Technologie errichtet wurde, konnten die Voraussetzungen für ein Baufeld geschaffen werden, auf dem der Bauabschnitt 1a - das Bettenhaus - errichtet werden soll.

In der ersten Jahreshälfte haben wir nach einem fast vierjährigen Prozess tatsächlich auch den Zuwendungsbescheid des Landes für dieses Bettenhaus bekommen. Eine Baugenehmigung der Stadt liegt vor und die Ausschreibung muss jetzt erfolgen. Fertig gestellt wurde ein neues Herzforschungszentrum, dessen Inbetriebnahme zeigt, wie ein Schwerpunkt an der Universitätsmedizin Göttingen über lange Zeiträume konsequent, bis in eine internationale Führungsposition entwickelt werden kann.

Es ist Prof. Gerd Hasenfuß und seinen Kollegen gelungen, hier einen echten Leuchtturm zu errichten. Am Sonnabend wurde in einer international führenden Wissenschaftszeitung eine Arbeit von Professor Stefan Luther akzeptiert. Er konnte erstmalig zeigen, wie sich Herzrhythmusstörungen innerhalb des Herzens ausbreiten. Damit hat die UMG einen Schlüssel in der Hand, diese lebensgefährliche Erkrankung erstmals wirklich kausal behandeln zu können. Außerdem zeigt Stefan Luther, wie der Göttingen Campus funktioniert: Er ist am MPI, gleichzeitig hat er eine Professur der UMG und ist am DZHK engagiert.

Diese Form der Kooperation ist auch Basis des Vorgehens in der Exzellenzstrategie; die UMG ist an zwei Clustern beteiligt, die zur Antragstellung aufgefordert wurden. Dies ist, glaube ich, der richtige Moment, dass ich mich für die enge und vertrauens­volle Zusammenarbeit mit der Universität bedanke: Es gibt keine Uni-Medizin in Deutschland, die so eng und reibungsfrei mit ihrer Uni zusammen arbeitet.

Noch ein paar Punkte. Eine moderne Biobank wurde errichtet, die jetzt sukzessive in Betrieb genommen wird. Fast fertig ist ein neues Blockheizkraftwerk, das wie alle unsere bisherigen Bauten, die in Eigenregie erstellt wurden, im Kosten- und Zeitplan liegt und es wurden Baumaßnahmen für die Zukunft weiter voran getrieben.

Wir fragen uns ständig, wie die Universitätsmedizin Göttingen in der Zukunft aussehen wird, in welchen Gebieten wir langfristig eine Rolle spielen können oder ein Alleinstellungsmerkmal haben. Wir glauben, dass dies insbesondere an Schnittstellen zwischen Fächern sein wird, die angesichts der alternden Bevölkerung eine immer größere Bedeutung haben werden.

In diesem Zusammenhang waren wir dem Land Niedersachsen und hier insbesondere und ausdrücklich dem Abteilungsleiter Rüdiger Eichel sehr dankbar, dass in dem letzten Zielvereinbarungsvertrag die Möglichkeit eingeräumt wurde, ein Herz- und Hirnzentrum zu beantragen.

Unter Leitung des Kardiologen, Gerd Hasenfuß, und des Neurologen, Mathias Bähr, konnte ein Forschungsbau von nationaler Bedeutung zum ersten Mal für die UMG erfolgreich beantragt werden. Zum ersten Mal in der Bundesrepublik werden hier Herz- und Hirnforscher engstens zusammenarbeiten und neue Therapien für solche Patienten entwickeln, die sowohl und gleichzeitig eine Erkrankung des Herzens und des Hirns haben.

Ein kleiner Nebeneffekt besteht darin, dass der einzige Ort, an dem dieses Zentrum kommen kann, der ist, an dem derzeit unsere traurige Leitungsbaracke steht, so dass deren Tage glücklicherweise gezählt sind.

Die größte und wichtigste Ressource, die wir bei uns haben, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UMG und zwar auf allen Ebenen. Sehr weitgehend nach außen sichtbar sind dabei die Berufungen auf der Ebene der Klinik- und Institutsdirekto­rinnen und -direktoren. Auch hier hat sich im vergangenen Jahr vieles getan.

So konnten wir im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie Frau Prof. Luise Poustka für Göttingen begeistern, die zuvor den Lehrstuhl für dieses Fach an der Universitätsmedizin in Wien innehatte. In einem Feld, was von zunehmender Bedeutung ist und das es in Niedersachsen nur einmal gibt, ist es damit gelungen, eine international renommierte Expertin im Bereich der Autismusforschung zu uns zu holen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, hören Sie sich mal einen Vortrag von ihr an.

Eine weitere wichtige Berufung fand mit der Neubesetzung des Direktorats in der Herzchirurgie statt. Hier ist seit dem 01.05.2017 Prof. Ingo Kutschka bei uns, der zuvor den Lehrstuhl in Magdeburg innehatte.

Es ist ihm in kürzester Zeit gelungen, in diesem Fach an der UMG eine Warteliste von Patienten aufzubauen: Das schafft Ingo Kutschka  durch eine außerordentliche Zielstrebigkeit, Freundlichkeit im Umgang mit Zuweisern und Patienten und Etablierung vieler neuer OP-Verfahren (Herz OP ohne Herz Lungen Maschine), so dass unser Herzzentrum ganz wesentlich gestärkt wurde.

Die Leitung der renommierten HNO-Klinik wurde von Prof. Dirk Beutner übernommen, der von der Uni-Klinik Köln nach Göttingen gekommen ist. Er wird besondere Akzente setzen in der personalisierten Therapie von Tumoren im
Kopf-Hals Bereich und damit auch dazu beitragen, dass Patienten bei uns exzellent behandelt werden.

Neben strukturellen Effekten lebt die UMG von individueller Exzellenz, die sich in herausragenden Publikationen oder auch der Verleihung besonderer Preise niederschlägt. Hier war besonders Prof. Tobias Moser erfolgreich, der für seine Forschungen zunächst den mit 400.000 Euro dotierten Jung-Preis erhielt und in der letzten Woche zusätzlich noch mit dem Landesforschungspreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet wurde. In dem letzten Verfahren gab es die Besonderheit, dass zeitgleich auch der Preis für die beste Nachwuchswissenschaftlerin im Lande Niedersachsen an die UMG ging, nämlich an Frau Marion Silies vom ENI, dem neurowissenschaftlichen Institut, das die Max-Planck-Gesellschaft gemeinsam mit der UMG betreibt.

Wir stehen insgesamt wissenschaftlich ordentlich da: Die UMG ist an insgesamt 10 Sonderforschungsbereichen der DFG beteiligt, vier davon mit Sprecherfunktion, also Leitung durch die UMG. Den vierten davon hat dieses Jahr Sylvio Rizzoli als Sprecher nach Göttingen geholt, wieder unter konsequenten Nutzung der Campus Struktur.

Im Bereich der Gewinnung von Personal sehen wir gleichzeitig mit die größten Probleme auf uns zukommen. Wenn der demografische Wandel ab in 5 Jahren dazu führen wird, dass große Kohorten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Ruhestand gehen, wird es etwa im Bereich der Pflege außerordentlich schwierig, diese komplett ersetzen zu können. Wir werden uns daher in besonderer Art und Weise in diesen Bereichen aufstellen müssen.

Dazu gibt es Aktivitäten, die wir schon länger betreiben, etwa den Gesundheits­campus, gemeinsam mit der HAWK (an dieser Stelle möchte ich mich besonders bei der neuen Ministerin Birgit Honé herzlich für ihre Unterstützung des Campus bedanken). Dazu gehört aber auch eine vorausschauende Personalplanung. Der Bereich der Pflege, der mit rund 2.000 Mitarbeitern, die größte Personalgruppe in unserem Haus stellt, wird seit 27 Jahren erfolgreich von Herrn Norbert Erichsen geleitet, der nun nächstes Jahr endgültig in den Ruhestand gehen wird. Es ist gelungen, diesen Übergang nahtlos zu gestalten, und mit Frau Helle Dokken, die derzeitige Pflegedirektorin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München für Göttingen zu begeistern.

Man kann also sagen, dass Göttingen und die UMG derzeit noch als Arbeitgeber attraktiv sind, wir aber intensiv daran arbeiten müssen.

Die UMG ist in der Summe in einer ganz besonderen Situation. In vielen Bereichen wurden die materiellen Voraussetzungen geschaffen, um fundamentale Probleme anzugehen. Diese Umsetzung muss jetzt erreicht werden, wenn die Entwicklung weiterhin positiv sein soll. Dabei, und das möchte ich noch einmal besonders betonen, hängen wir intensiv von den politischen Entscheidungen in diesem Land ab.

Wir bitten dabei, weiterhin um die Unterstützung und jetzt insbesondere um die Hilfe bei der Umsetzung der unmittelbar, notwendigen Maßnahmen. Es ist mir dabei ein besonderes, persönliches und institutionelles Anliegen, mich bei der Landtags­präsidentin Dr. Gabriele Andretta für ihre kontinuierliche, intensive Unterstützung und kritische Begleitung bei unseren Vorgaben zu bedanken. Ohne ihre Bereitschaft, sich in die komplexen Probleme der UMG einzuarbeiten, wären wir niemals so weit gekommen – dafür herzlichen Dank.

Man kann das Jahr, das wieder verflogen ist, also so zusammenfassen, dass recht vieles, was wir uns vorgenommen haben, funktioniert hat. Wir sollten als Institution auch im Lichte solcher Erfolge bescheiden bleiben, weil wir alle ausreichend Erfahrung haben, um zu wissen, dass sich solche Dinge auch sehr schnell wieder ändern können.

Lassen Sie mich schließen mit einer kleinen Begebenheit aus der UMG. Ich hatte Anfang November unseren Chirurgen Michael Ghadimi in der Angelegenheit eines externen Patienten um Rat und Hilfe gebeten. Er hat das sehr schnell gemacht, sich intensiv gekümmert und weil ich weiß, wie sehr er mit seinem Tagesgeschäft ausgelastet ist, habe ich mich dafür bedankt. Er schrieb mir eine E-Mail zurück, chirurgisch kurz. Darin stand: „Mensch in Not, ist Mensch in Not. Immer und jederzeit.“

Vielleicht, meine Damen und Herren, können wir diese kurzen Sätze, als Motto über unsere Einrichtung schreiben und zwar unabhängig davon, ob man in der Verwaltung arbeitet, ob man in einem Forschungsinstitut grundlegende Erkenntnisse erzielt, die erst langfristig in die Krankenversorgung überführt werden können, oder ob man konkret in einer Klinik ärztlich oder pflegerisch tätig ist.

Ich würde mir wünschen, dass wir als Institution unter einer solchen Vorstellung unsere Aufgaben auf höchstem Niveau erfüllen, dabei auch in einem so großen Betrieb  sowohl untereinander als auch mit Patienten und Partnern persönlich zugewandt sind und wie eben schon genannt als UMG grundsätzlich bescheiden bleiben.

Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie mir zugehört haben.

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