Rede von Prof. Dr. Heyo Kroemer zum Jahresempfang 2016

JAHRESEMPFANG 2016 DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN
DIENSTAG, 25. OKTOBER 2016

Rede Kroemer JE 2016


REDE PROF. DR. HEYO K. KROEMER, SPRECHER DES VORSTANDES DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN

 

Herr Bundesminister Hermann Gröhe,
Frau Universitäts-Präsidentin Frau Beisiegel mit Vizepräsidenten Bührmann, Diederichsen, Lossau und Schröter,
Frau Landtagsvizepräsidentin Gabriele Andretta,
Frau Staatssekretärin Honé, Staatskanzlei,
Herr Bundestagsabgeordneter Günzler,
Herr Oberbürgermeister Köhler und Herrn Bürgermeister Holefleisch,
Frau von Campe, MWK, Mitglied im Stiftungsausschuss der UMG,
Herr Abteilungsleiter Mühlenmeier vom MWK,
Frau Abteilungsleiterin Schröder aus dem Ministerium für Soziales und Gleichstellung,
Herr Wunderling-Weilbier und Frau Witt vom Südniedersachsenprogramm,
Frau Dienel, Präsidentin der HAWK, mit ihrem Präsidiumskollegen Herrn Viöl,
Herr Baum, Präsident der MHH, mit Herrn Tecklenburg und Frau Aulkemeyer,
Herr Albe, Präsident der PFH mit seinem Vizepräsidenten Herrn Ahrens,
Frau Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen,
Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender KVN Hannover,
Generalsekretäre des MFT und des VUD, Frank Wissing und Ralph Heyder,
mit Herrn Neher und Herrn Hell sind heute Abend zwei Nobelpreisträger aus Göttingen bei uns, begleitet von Frau Neher und Frau Hell,
Kollegen Dekane der Fakultäten der Universität,
Jens Frahm, Theo Geisel und Klaus Armin Nave von den MPIs,
mit Herrn Andreas Büchting von der KWS begrüße ich einen langjährigen Begleiter dieser Universitätsmedizin,
Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Reiner Hald und seinen Vorstandskollegen Schüller,
Vorstand der Volksbank Göttingen, Herr Bludau,

sehr geehrte Abgeordnete aus Bundestag und Landtag, Mitarbeiter und Kollegen aus den Ministerien und Landesbehörden, der Stadt Göttingen, der Wissenschaftseinrichtungen am Göttingen Campus, der Partnerkliniken (hier insbesondere die Leitung des Weender Krankenhauses Herr Karaus und Herr Czeczelski), der Gesundheitseinrichtungen, der Gesundheitsregion Göttingen, der Wirtschaft, der Ärzteverbände, Krankenkassen, Selbsthilfegruppen und Ehrenämter, der Religionsgemeinschaften, zahlreiche Medienvertreter, die Herren Graells und Oppermann vom GT,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus der UMG,
meine Damen und Herren!

Ich möchte Sie alle im Namen des Vorstands der Universitätsmedizin Göttingen sehr herzlich zu unserem Jahresempfang begrüßen, den wir wie immer außerhalb der üblichen Jahresempfangszeiten im Oktober durchführen. Wir freuen uns über eine große Resonanz mit insgesamt mehr als 500 Teilnehmern. Wir wissen schon, dass Sie hauptsächlich alle gekommen sind, um den Bundesminister zu hören, freuen uns aber ausdrücklich über Ihr Interesse an unserer Institution, der Universitätsmedizin Göttingen.

Bevor der Bundesminister zu Wort kommt, gestatten Sie mir, dass ich wie in jedem Jahr, zunächst kurz auf die Universitätsmedizin Göttingen eingehe.
In diesen sehr bewegten Zeiten, in denen sich sowohl innerhalb der Bundesrepublik als auch international festgeglaubte Rahmenbedingungen und Spielregeln aufzulösen scheinen, halte ich es für besonders wichtig, den eigenen Standpunkt und Standort genau zu definieren und daraus abzuleiten, wohin diese Institution inhaltlich und strukturell gehen wird.

Unter der Fragestellung „Quo Vadis“ (auf Deutsch: „Wohin soll es gehen?“) würde ich gerne drei Dinge mit Ihnen besprechen. Nämlich zum ersten, was im vergangenen Jahr an der UMG passiert ist. Ich würde zum zweiten darauf eingehen, was eigentlich hätte passieren müssen, was wir aber nicht – noch nicht – erreicht haben. Abschließend versuche ich, Ihnen eine Vorstellung darüber zugeben, was im kommenden Jahr an dieser Universitätsmedizin geschehen sollte, und worüber ich gern berichten würde, wenn wir uns nächstes Jahr an dieser Stelle wieder sehen.

Lassen Sie mich beginnen mit dem letzten Jahr an der Göttinger Universitätsmedizin, das für alle unsere 7.679 Beschäftigten durch intensive Arbeit geprägt war. Da wir in praktisch allen unseren Feldern Zuwächse zu verzeichnen hatten, dies aber mit nahezu dem gleichen Personal erreicht haben, bedeutet dies für alle Beschäftigten der UMG eine zunehmende Arbeitsversdichtung. Bevor ich auf irgendwelche Details eingehe, möchte ich allen Beschäftigten der UMG ausdrücklich und herzlich für Ihren extrem hohen Einsatz im vergangenen Jahr danken.

In der Krankenversorgung hat eine bisher noch nie erreichte Zahl an Patienten diese Universitätsmedizin in Anspruch genommen: Wir haben knapp 62.000 stationäre und teilstationäre Patienten behandelt und hatten rund 396.000 ambulante Patienten-kontakte. Bei ständig kürzer werdenden Verweildauern waren die Planbetten der Universitätsmedizin Göttingen im letzten Jahr zu 87% belegt. Dies ist ein Wert, der deutlich oberhalb des Durchschnitts aller deutscher Universitätsklinika liegt und der auf eine ganz intensive Nachfrage hinweist. Das hat zum einen sicherlich mit unserer Lage zu tun.

Mein Vorstandskollege Martin Siess hat kürzlich extern analysieren lassen, aus welchem Einzugsbereich Patienten an die Universitätsmedizin Göttingen kommen. Die Analyse hat gezeigt, dass der Einzugsbereich dieses Klinikums etwa 3,2 Mio. Einwohner in einem Radius von 80 Kilometer in 15 Landkreisen einschließt.

Es gibt in diesem Bereich 86 Krankenhäuser, aber nur noch einen anderen Maximalversorger. Dies spiegelt sich deutlich wieder in dem Versorgungsspektrum, das die UMG erbringt. Ich nenne Ihnen als Beispiel unsere Unfallchirurgie. Dort wurden im letzten Jahr 223 Patienten mit schweren Polytraumen, also schwerstverletzte Patienten, behandelt; das ist die dritthöchste Zahl in der gesamten Bundesrepublik, und die Tendenz ist steigend: Bis vergangenen Sonntag wurden in diesem Jahr bereits 298 Schwerstverletzte an der UMG versorgt. Wenn das so weitergeht, kommen 340 Schwerstverletzte in diesem Jahr an die UMG, womit niemand in Deutschland mehr solcher Patienten versorgt.

Warum sage ich Ihnen das? Ich möchte deutlich machen, dass die Universitäts-medizin Göttingen im Bereich der Krankenversorgung absolut unverzichtbar ist. Wenn es die UMG nicht gäbe, würden diese Menschen nicht auf vergleichbarem Niveau versorgt.

Ein Teil dieser Nachfrage ist, wie ich ausgeführt hatte, auf die Lage zurückzuführen.
Ein erheblicher Teil aber sicherlich auch auf die ganz exzellente Versorgung, die durch unsere Ärzte und unser Pflegepersonal erreicht wird. Die Universitätsmedizin ist ein attraktiver Arbeitgeber. So konnten wir im Bereich der Kliniken, aber auch der Institute, bisher alle leitenden Ärzte, die wir gerne an die UMG bekommen wollten, auch tatsächlich überzeugen, für uns zu arbeiten. Im Jahr 2016 war in diesem Zusammenhang die Neubesetzung der Unfallchirurgie ein besonderer Erfolgspunkt. Es ist gelungen, mit dem Kollegen Lehmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf einen ganz herausragenden Unfallchirurgen zu bekommen, in dessen Gefolge sich mit Herrn Priv.-Doz. Beil und Herrn Prof. Schilling auch noch exzellente Orthopäden bzw. Forscher an die UMG begeben haben. Zum 01. Januar wird unsere neue Kinder- und Jugendpsychiaterin, Frau Prof. Poustka aus Wien, ihre Tätigkeit an der UMG aufnehmen. Das FOCUS-Ranking der besten Krankenhäuser in Deutschland hat die UMG auch in diesem Jahr wieder auf Platz eins in Niedersachsen und auf Platz 15 in der gesamten Bundesrepublik gesehen.

Auch im Bereich der Forschung hat es im letzten Jahr eine Reihe von bemerkenswerten Fortschritten an dieser Universitätsmedizin gegeben. Diese Fortschritte betreffen sowohl die Grundlagenforschung als auch die angewandte klinische Forschung. Im Bereich der Forschungsinfrastruktur konnten wir ein neues Gebäude, das BIN / DZNE, in Betrieb nehmen, bei dem die Bildgebung in den Neurowissenschaften ganz im Vordergrund steht. Die Universitätsmedizin Göttingen hat hier mit Hilfe des Landes – wofür wir ausdrücklich und außerordentlich dankbar sind – einen ihrer Schwerpunkte durch ein modernes Institutsgebäude wesentlich weiter verstärken können. In der letzten Woche haben wir darüber hinaus unsere Biobank in Betrieb genommen. Hier besteht die Möglichkeit, mehrere Millionen von biologischen Proben in einem Robotersystem einzufrieren und damit unsere Forschungsinfrastruktur ganz wesentlich zu verbessern. Ein weiteres Gebäude, das wir aus eigenen Mitteln finanziert haben, steht für das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unmittelbar vor der Fertigstellung. Wir gehen davon aus, dieses Gebäude im ersten Quartal 2017 in Betrieb nehmen zu können.
Als Vorbereitung des Klinikumsneubaus wurde für 12 Mio. Euro ein Abwassertunnel mit einer neuen Technologie erstellt. Ich möchte an diesem Punkt ausdrücklich der Bauabteilung der UMG danken, die im Verantwortungsbereich meines Vorstands¬kollegen Dr. Freytag unter Leitung von Herrn Fricke alle Vorhaben dieses Jahres im Kosten- und Zeitrahmen abgeschlossen hat.

Wir nehmen alle wahr, dass die Entwicklung der Informationstechnologie rasant voranschreitet und das Gesundheitswesen massiv erfasst. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass es sich bei der IT um eine der zentralen Entwicklungsmöglichkeiten der kommenden Zeit handeln wird. Noch ist die Bundesrepublik diesbezüglich Entwicklungsland, wir haben keine Weitergabe elektronischer Informationen über Sektorengrenzen. Es gibt allerdings positive Entwicklungen. So haben sich die Universitätsmedizinen Heidelberg, Hannover und Göttingen im Rahmen eines Förderprogrammes des BMBF zusammengetan, um ihre IT-Infrastruktur im Forschungsbereich eng aufeinander abzustimmen. Wenn es gelingt, hier die Versorgungsseite, sprich das Bundesministerium für Gesundheit, in das Boot zu bekommen, könnte in Deutschland ein erheblicher Fortschritt erzielt werden. Unabweisbar notwendig ist hier die Unterstützung und Begleitung des Landes Niedersachsen.

Forschung wird von einzelnen gemacht, und es gibt demzufolge individuelle Erfolge wie herausragende Publikationen, wie den mit 200.000 Euro dotierten Copernicus Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft an Prof. Peter Rehling oder den Eva Luise Köhler Preis für seltene Erkrankungen an Prof. Willichowski aus unserer Kinderklinik. Ein anderes Highlight war die erfolgreiche Verlängerung unseres dritten Sonderforschungsbereichs in der Herz-Kreislaufforschung um den Sprecher Prof. Gerd Hasenfuß. Da es im Bereich der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung noch ein positives Gutachten für ein Projekt von Prof. Sylvio Rizzoli gibt, hoffen wir darauf, im nächsten Jahr an der Universitätsmedizin vier Sonderforschungsbereiche mit Sprecherfunktion zu haben. Dies scheint uns für eine Institution unserer Größe und wissenschaftlichen Qualität angemessen.

Wir haben uns des Weiteren intensiv an der Vorbereitung der Exzellenzinitiative beteiligt und tun dies in einer ganz engen Abstimmung mit der Universität und den außeruniversitären Partnern am Göttingen Campus.

Im Bereich der Lehre haben wir uns in Teilen personell neu aufgestellt. Der neue Studiendekan, Prof. Lorenz Trümper, wird hier gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Raupach und Prof. Oppermann eigene Akzente setzen.

Wesentlich festzuhalten als Aktivität im Lehr- und Ausbildungsbereich ist sicherlich die Kooperation mit der HAWK im Rahmen des Gesundheitscampus Göttingen. Hier ist es gelungen, innerhalb sehr kurzer Zeit neue Studiengänge zu etablieren, die im Bereich der Gesundheitsfachberufe dazu beitragen werden, die UMG als Arbeitgeber noch attraktiver zu machen und das Ausbildungsangebot in Göttingen ganz deutlich zu erweitern. Wir hoffen, dass wir diese Zusammenarbeit mit der HAWK in gleicher Weise fortsetzen können. Das Ganze hat neben der Lehre auch Effekte struktureller Art für Göttingen. Der Campus ist derzeit beheimatet auf dem alten Sartorius-Gelände, das 800 Meter von hier entfernt ist. Es gibt Pläne, dieses Gelände durch einen externen Investor neu bebauen zu lassen, und eine solche Baumaßnahme wäre für die Universitätsmedizin Göttingen von außerordentlichem Interesse, weil hier neben Unterrichtsräumen auch Wohnmöglichkeiten für Mitarbeiter und ein Patientenhotel entstehen könnten. Wir hoffen sehr, dass die Landesregierung die Weichen so stellt, dass dieses hochattraktive Projekt realisiert werden kann.

Meine Damen und Herren, wenn man auf ein Jahr zurückschaut, sollte man auch kritisch bewerten, was nicht so funktioniert hat, wie wir uns das vorgestellt haben.

Was hätte denn im letzten Jahr passieren müssen? Es gibt zwei grundsätzliche Komplexe, nämlich solche Dinge, die wir in Göttingen –bzw. Niedersachsen – hätten regeln können, und solche, die für uns wichtig sind, aber außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten liegen. Ich werde aus beiden Bereichen jeweils ein Beispiel nennen.

Im letzten Jahr war beim Jahresempfang Ministerpräsident Weil hier und hat angekündigt, dass der erste Bauabschnitt des Klinikums zeitnah begonnen wird. Dies ist unabdingbar. Ich darf daran erinnern, dass die Universitätsmedizin Göttingen die einzige Universitätsmedizin der Bundesrepublik ist, die seit dem Neubau, in dem wir uns befinden und der 2017 vor 40 Jahren in Betrieb gegangen ist, keinen klinischen Neubau erhalten hat. Für ein Unternehmen in einem intensiven Wettbewerb in dem fast 7.700 Menschen insgesamt über 600 Mio. Euro umsetzen und – das sei in Klammern gesagt – jedes Jahr auch 60 Mio. Euro Steuern zahlen, in dem das operative Ergebnis des letzten Jahres bei minus 100.000 Euro lag, also faktisch ausgeglichen war, für ein solches Unternehmen ist es unabdingbar, dass investiert wird. Das Geld steht im Prinzip zur Verfügung, dennoch sind wir bezüglich des Genehmigungsverfahrens nicht dort, wo wir eigentlich sein wollten.

Die Zeitabläufe sind für ein Unternehmen im Wettbewerb unerträglich lang. Ich gebe Ihnen einen Eindruck davon, indem ich sage, dass wir am 16. September 2013, also vor über drei Jahren, den Bedarf angemeldet haben, diesen nach einem Jahr auch bewilligt bekommen haben, aber heute, 2016, immer noch keinen Zuwendungsbescheid haben. Ich möchte ganz ausdrücklich, ohne irgendeine individuelle Schuldzuweisung sagen, dass wir in Niedersachsen Abläufe bei großen Baumaßnahmen entwickelt haben, die eine zeitnahe Realisierung nicht ermöglichen. Dies ist von der Landesregierung erkannt worden, und zwischen dem Wissenschaftsministerium und dem Finanzministerium wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis Jahresende verbindliche Vorschläge erarbeiten soll, um hier eine Verbesserung zu erreichen. Sie haben die resultierenden Pressemitteilungen der letzten Woche gelesen, in denen der Ministerpräsident angekündigt hat, an der UMG und der MHH jeweils 1 Milliarde Euro in Neubauten zu investieren.

Ich sage es noch einmal in aller Deutlichkeit: Eine universitäre Medizin von der man zu Recht in Forschung, Lehre und Krankenversorgung Höchstleistungen erwarten kann, und die – ich hatte es vorhin ausgeführt – durch nichts und niemanden ersetzbar ist, eine solche universitäre Medizin braucht kontinuierliche Investitionen, sonst hat sie keine Zukunft.

Es gibt aber auch Finanzierungsaspekte, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen. Ich bin mir sicher, dass Minister Gröhe noch kurz darauf eingehen wird. Es war fester Wille der Bundesregierung, die Universitätsmedizin finanziell deutlich besser zu stellen, und der größte Block in dieser beabsichtigten Besserstellung war die Finanzierung der Hochschulambulanzen. Bis auf einen überschaubaren Anteil im Investitionsbereich hat sich diese Hoffnung leider nicht realisiert. Hier sollten an alle Universitätsmedizinen in Deutschland insgesamt 265 Mio. Euro im Jahr ausgeschüttet werden. Die Modalitäten dafür sollten in der Selbstverwaltung erarbeitet werden, aber in den Mühlen dieser Selbstverwaltung ist das Projekt leider komplett hängen geblieben. Wir wissen, dass der Minister diesen Aspekt sehr aufmerksam verfolgt und hoffen darauf, dass er umgesetzt wird. Wenn er umgesetzt worden wäre, hätte die Universitätsmedizin Göttingen wesentlich mehr Geld für Aufgaben in Forschung und Lehre einsetzen können, aus denen die Ambulanzen derzeit finanziert werden.

Soweit eine kurze, kritische Rückschau.

Worauf müssen wir uns denn einstellen? Was muss passieren? Was wird passieren?

Wir sehen in der Bundesrepublik zwei Faktoren. Dies ist zum einen die Veränderung in der demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Wir sehen bereits jetzt an der UMG eine ständig nachwachsende Nachfrage, wobei wir natürlich nicht genau unterscheiden können, inwieweit das populationsbedingt ist oder auf die zunehmende Attraktivität der Universitätsmedizin Göttingen zurückzuführen ist.

Wir haben etwa im operativen Bereich deutlich mehr Eingriffe in der Allgemeinchirurgie in diesem Jahr, wir haben 25 Prozent mehr Patienten in unserer Notaufnahme gesehen und, meine Damen und Herren, das Ganze ist doch nur das Vorspiel der wirklichen Veränderung. In etwa 10 Jahren, d.h. am Ende der übernächsten Legislaturperiode wird der demografische Wandel massiv eintreten. Die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge werden dann in den Ruhestand gehen, d.h. aus dem aktiven Arbeitsleben in die Sozialsysteme wechseln. Gleichzeitig sehen wir einen nie dagewesenen Fortschritt in der Behandlung, der zum Teil auf technische Entwicklungen zurückzuführen ist, zum Teil aber auch darauf, dass es zunehmend besser gelingt, Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Behandlung umzusetzen.

Diese Kombination von Alterung der Bevölkerung und massivem Fortschritt wird das bundesdeutsche Gesundheitssystem auf das Äußerste herausfordern, und es ist die wesentliche Zukunftsfrage für eine universitäre Medizin wie uns, wie wir uns in diesem Bereich aufstellen. Zum einen werden wir alles daran setzen, durch Ausbildung von Ärzten, durch herausragende Grundlagen- und angewandte Forschung die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass dieses System überhaupt funktioniert. Auf der anderen Seite glauben wir, dass es strukturelle Änderungen und Weiterentwicklungen geben muss, und dass dabei die universitäre Medizin viel enger als bisher mit anderen Versorgern in der Region zusammenarbeiten und sich auch selbst als regionaler Versorger verstehen muss. Wir haben im letzten Jahr – und werden dies auch im nächsten Jahr weiter tun – intensive Gespräch mit uns umgebenden Häusern der Regionalversorgung, wie etwa Einbeck und Hann.-Münden, geführt.

Wir glauben, dass die langfristige stationäre Versorgung in Südniedersachsen nur in einem engen Verbund erfolgen kann. Deswegen gibt es Absichtserklärungen über eine enge Kooperation mit dem Bürgerspital Einbeck und seit letzter Woche auch mit dem Krankenhaus in Hann.-Münden, das ja – wie allgemein bekannt – im letzten Jahr den Besitzer gewechselt hat. Gleiches gilt auch für Lippoldsberg. Eine solche abgestufte Versorgung wird nur dann funktionieren, wenn sie durch die entsprechenden staatlichen Maßnahmen im Sinne von Gesetzgebung und Verordnungen aktiv begleitet wird. Wir sind von unserer Seite explizit dazu bereit, diese Rolle zu spielen.

Meine Damen und Herren, die Universitätsmedizin Göttingen befindet sich in einem Umfeld vielfältiger Herausforderungen. Was wir beitragen können, um diese Herausforderung anzugehen und zu meistern, werden wir tun. Wir haben uns dabei in einem Strategieprozess unter dem Titel „UMG 2020: Möglichkeiten und Grenzen der Göttingern Universitätsmedizin“ schriftlich festgelegt, was in den nächsten Jahren passieren soll.

Neben wissenschaftlicher Exzellenz und herausragender Krankenversorgung wollen wir die Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte ausbilden, die das Gesundheitssystem der Zukunft tragen. Parallel werden wir innovative Ausbildungswege im Göttinger Gesundheitscampus gehen. Das Ganze funktioniert nur in einer zeitnah neugebauten Infrastruktur an unserem Campus und dem hoffentlich errichteten Sartorius Campus in unserer Nachbarschaft.

Wir sind dabei auf eine enge Begleitung durch die Politik angewiesen. Dies betrifft sowohl das Land Niedersachsen, das die notwendigen investiven Mittel bereitstellen muss, als auch die Bundespolitik, die der Universitätsmedizin die für ihre weitere Entwicklung notwendigen Werkzeuge an die Hand geben muss. Wenn beides passiert, wird sich die Göttinger Universitätsmedizin positiv weiter entwickeln.

Um Ihnen einen Eindruck von uns zu geben, haben wir für diesen Jahresempfang ein kleines Heft zusammengestellt, in dem wir Ihnen die Göttinger Universitätsmedizin mit ihren Facetten und Leistungen und insbesondere den Menschen, die sie tragen, vorstellen. Nehmen Sie es mit, wenn Sie gehen und informieren Sie sich über uns.

Ich darf mich im Namen des Vorstands nochmals dafür bedanken, dass Sie alle gekommen sind, und dafür, dass Sie mir zugehört haben.

 

 

 

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