Presseinformationen

Presseinformation Nr. 111 vom 18. Oktober 2018

Pflegesituation auf der Kinderintensivmedizin an der UMG

Vorstand Krankenversorgung, Pflegedirektion und Personalrat der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) stellen klar: Die Besetzungssituation im Pflegedienst auf der kinderintensivmedizinischen Station der UMG ist angespannt und unzureichend.


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Helle Dokken, Pflegedirektorin der UMG. Foto: umg


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Erdmuthe Bach-Reinert, Vorsitzende des Personalrats der UMG. Foto: umg


(umg) Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die kritische Lage der pflegerischen Versorgungssituation auf der kinderintensivmedizinischen Station der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde nach der gleichen Situation des Pflegedienstes auf der Kinderintensivmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gefragt. Aktuell ist die Lage an der UMG zwar noch nicht in einem vergleichbar kritischen Zustand wie an der MHH, an der Betten nicht belegt werden können. Aus dieser Aussage über die UMG ist leider der Eindruck entstanden, an der UMG gebe es keine Engpässe in der pflegerischen Versorgung im kinderintensivmedizinischen Bereich. Dieser Eindruck trifft so nicht zu.

Vorstand Krankenversorgung, Pflegedirektion und Personalrat der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) halten die derzeitigen Arbeitsbedingungen in der Kinderintensivpflege auf lange Sicht für unzumutbar und stellen klar: An der UMG hat der Pflegedienst mit erheblichen Engpässen bei der pflegerischen Versorgung und der Stellenbesetzung in der Kinderintensivmedizin zu kämpfen.
 

Helle Dokken, Pflegedirektorin der UMG, sagt: „Natürlich haben auch wir an der UMG einen Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal, insbesondere in der Kinderkrankenpflege. Dieses Problem stellt die größte Herausforderung für die zukünftige Versorgung der Patienten dar. Nur über die hohe Leistungsbereitschaft der Pflegenden in der Kinderintensivpflege konnten Bettenschließungen in höherer Anzahl vermieden werden. Und hierfür danke ich sehr. Wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, dass die pflegerische Kapazität in der Kinderintensivmedizin ausreichend sei, bedauern wir das.“

Der Personalrat der UMG sieht erheblichen Handlungsbedarf bei der Personalausstattung der Kinderintensivmedizin: „Überstunden der Pflegekräfte und eine häufig unterbesetzte Station sind bereits Arbeitsalltag. Die derzeitigen Arbeitsbedingungen sind für die Pflegekräfte unzumutbar. Umfangreichere Bettenschließungen konnten im Interesse der kleinen Patienten und deren Eltern bislang noch vermieden werden. Das ist vor allem eine Leistung der Pflegekräfte vor Ort, die mit ihrem großen persönlichen Einsatz die Versorgung aufrechterhalten. Die damit verbundene dauerhafte Überlastung gefährdet jedoch die Gesundheit der Pflegekräfte und ist nicht verantwortbar. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, wann es auch an der UMG zu Sperrungen von Betten im größeren Umfang und zur Abweisung von Patienten kommen wird“,  sagt Erdmuthe Bach-Reinert, Vorsitzende des Personalrates der UMG. „Der Personalrat hält es für erforderlich“, so Bach-Reinert weiter, „dass der weltweite Standard, nach dem auf Intensivstationen eine Pflegekraft höchstens für zwei Patienten zuständig sein soll, zukünftig auch in der UMG auf allen Intensivstationen und selbstverständlich auch auf der Kinderintensivstation verlässlich eingehalten wird.“
 

Grundsätzlich gilt auch für die UMG: Beim Thema „Pflegenotstand in der Kinderintensivmedizin“ handelt es sich um ein bundesweites Problem. So sind es neben dem bestehenden allgemeinen Fachkräftemangel im Normalpflegebereich insbesondere auch die Vorgaben beim Stellenschlüssel, die die Betreuungssituation in der Kinderintensivmedizin verändert haben. Die geänderten Vorgaben zur Berechnung des Stellenschlüssels für Pflegekräfte in der Neonatologie werden die Situation zudem noch verschärfen.
 

Umfrage zur Situation der Pflegekräfte an der UMG
Die Pflegedirektion der UMG hat dazu im August eine Umfrage unter den Pflegekräften auf den Weg gebracht, um deren Arbeitssituation, Bedürfnisse und Lösungsvorschläge in allen Pflegebereichen abzufragen. Dabei wurde festgestellt, dass für die Pflegenden am Universitätsklinikum Göttingen eine Schichtbesetzung mit ausreichend qualifiziertem Personal ganz oben steht. Die Ergebnisse der Umfrage werden derzeit durch mehrere Arbeitsgruppen bearbeitet, die auf die Stellschrauben zur Verbesserung der Situation der Pflegenden an der UMG insgesamt Einfluss nehmen werden. Dabei gilt es, durch unterschiedliche Maßnahmen Bedingungen zu schaffen, die für die Pflege attraktiv sind, neues Pflegepersonal anzuwerben und vorhandenes Pflegepersonal zu entlasten und an der UMG zu halten.

Die Kinderintensivstation der UMG
Die Kinderintensivstation hat 20 Intensivbettplätze: 10 Betten für die Kinderintensivmedizin, 10 Betten in der Neonatologie, der Frühgeborenenstation. Im Jahr 2017 wurden auf der Kinderintensivstation 1022 Kinder versorgt, im laufenden Jahr (einschließlich 3. Quartal) sind es bislang 740 Kinder.

 

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität
Unternehmenskommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Weller , Telefon 0551 / 39-9959
Email: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Personalrat der UMG – Vorsitzende
Erdmuthe Bach-Reinert, Telefon 0551 / 39-9494
Email: e.bach-reinert@med.uni-goettingen.de; personalrat@med.uni-goettingen.de



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