Presseinformationen

Presseinformation Nr. 078 vom 29. Juni 2018

Entwicklung neuer Auswahlverfahren für das Medizinstudium gefördert. Universitätsmedizin Göttingen an deutschlandweitem Verbund beteiligt.

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Aufbau eines deutschlandweiten Verbundes von Medizinischen Fakultäten zur Weiterentwicklung der Auswahlverfahren von Medizinstudierenden. Fördersumme 3 Mio. Euro. UMG einer von sechs Verbundpartnern.


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Prof. Dr. Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der UMG. Foto: umg


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Prof. Dr. Lorenz Trümper, Studiendekan der Medizinischen Fakultät an der UMG. Foto: umg


(umg) Am 1. Juli 2018 nimmt der Studierendenauswahlverbund (stav) seine Arbeit auf. Unter der Leitung des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) arbeiten neben der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) auch die Charité Berlin und die Universitäten Münster, Heidelberg und Saarbrücken gemeinsam an der Weiterentwicklung der Auswahlverfahren von Medizinstudierenden in Deutschland. Der Studierendenauswahlverbund untersucht die Qualität bestehender Verfahren, um dann neue Tests zur Messung kognitiver, sozialer und kommunikativer Fähigkeiten der zukünftigen Medizinstudierenden zu entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Aufbau dieses deutschlandweiten Verbundes mit insgesamt 3 Millionen Euro für drei Jahre. Die UMG erhält 300.000 Euro. Ziel ist die Einrichtung eines gemeinsamen Studierendenauswahlzentrums aller medizinischen Fakultäten, das die Einführung wissenschaftlich fundierter, strukturierter und standardisierter Auswahlverfahren fördern soll.
 

„Die Ergebnisse der Arbeit in diesem Verbund werden wichtige Akzente setzen“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät an der UMG und Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). „Der von Bund und Ländern verabschiedete Masterplan Medizinstudium 2020 sieht eine Neuregelung der Zulassungsverfahren vor, und im Dezember 2017 hat das Bundesverfassungsgericht einige Teile der aktuell gültigen Verfahrensweise für verfassungswidrig erklärt. Wir wollen, dass neben der Fairness bei der Auswahl besonders die Eignung für Studium und Beruf im Vordergrund steht.“
 

MEDIZINISCHE FAKULTÄT DER UMG HAT BEREITS AUSWAHLVERFAHREN
An der UMG werden bereits seit fünf Jahren 60 Prozent der Studienplätze durch ein fakultätseigenes Auswahlverfahren vergeben. Die Bewerberinnen und Bewerber, die zunächst anhand verschiedener Kriterien durch die Stiftung Hochschulstart ausgesucht werden, sprechen unter anderem mit Professorinnen und Professoren der UMG über ihre Motivation. In diesem Rahmen wird auch ihr Potential eingeschätzt, das Studium erfolgreich abzuschließen und sich wissenschaftlich zu betätigen. Im Anschluss demonstrieren die Bewerberinnen und Bewerber in vier gestellten Situationen ihre Fähigkeit, mit alltäglichen medizinnahen Fragen und Problemen umzugehen. Hierzu werden unter anderem eine gute Stressresistenz, kommunikative Kompetenzen, verbale Fähigkeiten und Empathie benötigt.
 

„Unser Auswahlverfahren entspricht bereits in weiten Teilen dem, was vom Bundesverfassungsgericht gefordert wird“, sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Studiendekan der Medizinischen Fakultät. „Wir wollen aber mehr darüber erfahren, wie sich unterschiedliche Gewichtungen der einzelnen Komponenten in der Auswertung auf die endgültige Auswahl der Studierenden auswirken. Das geht am besten gemeinsam mit anderen Fakultäten, die ebenfalls eigene Verfahren anwenden.“
 

Neben den sechs Verbundpartnern wollen 20 Kooperationspartner ihre Daten beisteuern, um die vielen verschiedenen, in Deutschland eingesetzten Kriterien bewerten zu können.
 

GÖTTINGER SCHWERPUNKT
In dem für einen Zeitraum von drei Jahren konzipierten Projekt werden an der UMG Prüfungen entwickelt, in denen erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber in den ersten Jahren ihres Studiums ihre tatsächlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Die UMG besitzt eine große Expertise für solche Testverfahren, die sowohl auf praktische Fertigkeiten als auch auf die Befähigung zum klinischen Denken abzielen. „Wir setzen praktische Prüfungen und computerbasierte Verfahren zur Überprüfung des klinischen Denkens bereits seit vielen Jahren im regulären Studienbetrieb und in Lehr-Forschungsprojekten ein und haben hiermit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Prof. Dr. Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der UMG.
 

An den anderen Standorten des Verbundes werden weitere Tests entwickelt, mit denen die Befähigung zum Studium einerseits hinsichtlich der naturwissenschaftlichen Voraussetzungen und andererseits hinsichtlich psychosozialer Kompetenzen gemessen wird.

 

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Studiendekanat, Bereich Medizindidaktik und Ausbildungsforschung
Prof. Dr. Tobias Raupach, MME
Telefon 0551 / 39-8922
raupach@med.uni-goettingen.de



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