Presseinformationen

Presseinformation Nr. 060 vom 29. Mai 2018

Palliativmedizin: Migranten nutzen kaum Angebote

„Menschen mit Migrationshintergrund in der Palliativversorgung“: Tagung stellt Ergebnisse einer Studie vor. Deutsche Krebshilfe hat das Forschungsprojekt gefördert. Tagung am Freitag, 1. Juni 2018, ab 11:30 Uhr, Paulinerkirche Göttingen.


(gwb/umg) Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland rund 18,5 Millionen Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Das sind 22,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Krebskranke Menschen mit Migrationshintergrund haben in der letzten Phase ihres Lebens einen schlechteren Zugang zu einer umfassenden palliativmedizinischen Versorgung. Dabei geht es darum, die Lebensqualität der Patienten, die von einer unheilbaren Krankheit betroffen sind, zu erhalten. Menschen, die zugewandert sind oder deren Eltern zugewandert sind, nutzen ein solches Angebot in manchen Fällen nicht. Die Gründe dafür sind noch weitgehend unerforscht. Wissenschaftler um Professor Dr. Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), wollen hier Klarheit schaffen. Sie haben sich in der Studie „Palliative Versorgung für Menschen mit Migrationshintergrund – Eine qualitative Studie in Deutschland“ intensiv mit den Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen auseinandergesetzt: Welche Bedeutung hat möglicherweise der Migrationshintergrund für die palliativmedizinische Versorgung? Gibt es kulturelle Barrieren, die eine gute Betreuung erschweren? Um diese Fragen zu beantworten, haben die Göttinger Wissenschaftler Interviews mit Betroffenen, aber auch mit deren Angehörigen und Versorgenden geführt. Die Deutsche Krebshilfe hat das Forschungsprojekt mit 272.000 Euro gefördert.

Die Ergebnisse der Studie werden beim „Göttinger Palliativforum“ am Freitag, dem 1. Juni 2018, ab 11:30 Uhr in der Paulinerkirche Göttingen vorgestellt. Um 17:00 Uhr laden die Veranstalter in die Paulinerkirche zur öffentlichen Vorführung des Films „Halte meine Hand!“ über interkulturelle Sterbebegleitung ein. Anschließend gibt es ein Gespräch über den Film und danach eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Klinikbereich und aus sozialen Einrichtungen. Veranstalter ist die Mildred Scheel Akademie Göttingen.

Göttinger Palliativforum – Tagung
Menschen mit Migrationshintergrund in der Palliativversorgung
11:30 bis 19:00 Uhr: Tagung mit Vorstellung der Forschungsergebnisse
17:00 Uhr: Öffentliches Abendprogramm mit Film „Halte meine Hand!“ mit Gespräch und anschließender Podiumsdiskussion
ORT: Paulinerkirche Göttingen, Alfred-Hessel-Saal, Papendiek 14, 37073 Göttingen

Der Film „Halte meine Hand! – Ein Muslim begleitet Sterbende“, eine RBB-Dokumentation von Mosjkan Ehrari, stellt die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes Lazarus in Berlin vor. Ein Ziel des Dienstes ist die interkulturelle Öffnung des Hospizes. Im Anschluss an die Filmvorführung gibt es dazu ein Gespräch mit Elizabeth Schmidt-Pabst und Hussam Khoder (Lazarus Hospiz Berlin). Daran schließt sich eine Podiumsdiskussion an zum Thema „Palliative Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund – Grenzen und Möglichkeiten?“. Die Teilnehmer auf dem Podium sind: Prof. Dr. Friedemann Nauck (Direktor der Klinik für Palliativmedizin der UMG), Yasemin Günay (Hospizdienst Da-Sein e.V. München), Dr. Dipl.-Psych. Ibrahim Özkan (Asklepios-Fachklinik Göttingen) und Dipl. Soz. Anneke Ullrich (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie im Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf).

Die Tagung wird eröffnet von Prof. Dr. Friedemann Nauck (Direktor der Klinik für Palliativmedizin der UMG), Silvia Hartwig (Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Prof. Dr. Wolfgang Brück (Dekan für Struktur und Entwicklung der UMG).

Hintergrundinformation: Palliativmedizin: Hilfe am Lebensende
Palliativmedizin hat zum Ziel, unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und zu unterstützen. Speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte, sowie Mitarbeiter weiterer Berufsgruppen lindern belastende Krankheitssymptome und kümmern sich um die seelischen Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Die Deutsche Krebshilfe ist in Deutschland Wegbereiterin dieser besonders menschlichen Form der Medizin. Der ganzheitliche Betreuungsansatz erfordert von den in der Palliativmedizin arbeitenden Berufsgruppen besondere Aus- und Weiterbildungen. Diese leistet der von der Deutschen Krebshilfe geförderte Verbund der Akademien für Palliativmedizin und Hospizarbeit: die Dr. Mildred Scheel Akademie der Deutschen Krebshilfe in Köln sowie Akademien in Bonn, Dresden, Göttingen und München. An allen Einrichtungen finden zertifizierte Seminare zur umfassenden Versorgung schwerstkranker Menschen statt. Die Seminare richten sich nicht nur an das Fachpersonal, sondern auch an Betroffene und Angehörige.

Weitere Informationen:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Palliativmedizin
Prof. Dr. Friedemann Nauck, Telefon 0551 / 39-10 501
heike.born@med.uni-goettingen.de

Deutsche Krebshilfe
Pressestelle
Buschstraße 32, 53113 Bonn
Gwydion Brennan, Pressereferent
Telefon 0228 / 72990-274
brennan@krebshilfe.de
www.krebshilfe.de



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