Presseinformationen

Presseinformation Nr. 131 vom 13. September 2017

Chance oder Risiko? Öffentlicher Dialog über neue Stammzelltherapien

Experten aus Medizin, Recht, Ethik und Wirtschaft diskutieren über neuartige Stammzelltherapien, die in Deutschland bislang noch nicht in der Klinik getestet wurden. Öffentliche Konferenz am 20. und 21. Oktober 2017 in der Alten Mensa, Göttingen.


Interessierte sind herzlich eingeladen. Kostenfreie Anmeldung bis zum 30. September 2017.

(umg) Mit „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS-Zellen) verbindet die moderne Medizin neue Hoffnungen. Der rasche Fortschritt in der medizinischen Forschung macht den Einsatz der neuartigen Stammzellen zur Behandlung von Menschen bereits in naher Zukunft möglich. In Deutschland wurden iPS-Zellen bislang noch nicht am Menschen angewandt. Können die neuartigen Stammzellen Wege eröffnen, um neue Therapien für degenerative Erkrankungen zu entwickeln?

Nutzen und Risiken der neuen Stammzellen öffentlich zu diskutieren ist das Anliegen einer Konferenz, die das Institut für Ethik und Geschichte der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veranstaltet. Beteiligte an unterschiedlichen Phasen im Erprobungs- und Zulassungsprozess für iPS-Zellen aus Medizin, Recht, Ethik und Wirtschaft gehen dazu in Dialog. Dabei geht es um Fragen, wie eine gerechte und ausgewogene Risikobewertung, die Transparenz von Entscheidungsprozessen sowie eine informierte öffentliche Debatte gewährleistet werden können. Interessierte sind eingeladen, an der öffentlichen Diskussion teilzunehmen. Sie können sich bis zum 30. September 2017 unter www.clinhips.de anmelden.

Die öffentliche Konferenz findet statt von Freitag, den 20. Oktober 2017, bis Samstag, den 21. Oktober 2017. Veranstaltungsort ist das Veranstaltungszentrum „Alte Mensa“, Wilhelmsplatz 3 in Göttingen. Organisiert wird die Konferenz von Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Dr. Solveig Lena Hansen und Clemens Heyder, M.A., vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Stakeholder-Konferenz zur Evaluation innovativer Risikoforschung
„Die klinische Translation humaner induzierter pluripotenter Stammzellen“
Freitag, 20. Oktober 2017, 13:00 bis 19:00 Uhr. Vorträge/Workshops in Deutsch.
Samstag, 21. Oktober 2017, 9:00 bis 13:00 Uhr. Vorträge in Deutsch.
Alte Mensa, Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen

Interessierte und Medienvertreter sind herzlich willkommen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Humane (menschliche) induzierte pluripotente Stammzellen (hiPS-Zellen) werden durch Rück-Programmierung von sog. adulten Körperzellen gewonnen. Sie sind danach wieder in der Lage, sich in alle möglichen Körperzellen zu differenzieren. Für ihre Entdeckung hat der japanische Stammzellforscher Shinya Yamanaka im Jahre 2012 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Der Einsatz von hiPS-Zellen scheint moralisch weniger umstritten zu sein als der Einsatz von humanen embryonalen Stammzellen (hES Zellen), die aus menschlichen Embryonen gewonnen werden. Bei spendereigenen hiPS-Zellen und den daraus ableitbaren Zellen erwartet man eine bessere immunmedizinische Verträglichkeit des Transplantates. Zudem wird geschätzt, dass bei hiPS-Therapeutika auch die Folgekosten verringert werden können, die typischerweise mit der Gewebetransplantationen einhergehen. Mögliche neue Therapienansätze werden für Erkrankungen des Auges (Makulardegeneration), Morbus Parkinson oder der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erwartet.

Das Ziel einer Stammzellbehandlung ist Integration und lebenslange Wirksamkeit des transplantierten Zellverbunds im Körper. Dabei lässt sich schwer absehen, welche kurz- und langfristigen Risiken lebende Zellen mit sich bringen. Möglich sind Abstoßungsreaktionen und Tumorbildung. Zudem werden Stammzelllinien in Biobanken gelagert. Dies ist kostengünstiger und zeitsparender, bringt aber auch Fragen nach den Rechten der Spender mit sich.

Die Konferenz diskutiert Ergebnisse des BMBF-geförderten Forschungsprojektes: „ClinhiPS – Eine naturwissenschaftliche, ethische und rechtsvergleichende Analyse der klinischen Anwendung von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen in Deutschland und Österreich“. Das Projekt ist eine Kooperation des Fraunhofer IBMT in Sulzbach, des Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim, des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin (UMG) und des Instituts und für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien.

PROGRAMM

Freitag, 20. Oktober 2017, 13:00 bis 19:00 Uhr. Vorträge und Workshops in Deutsch

Zu den ethischen Problemen des Interessenpluralismus in der hiPS-Zellforschung
Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, UMG

Behandlungen mit Stammzellen: Aktueller Stand, zukünftige Anwendungen und falsche Versprechen
Dr. Daniel Besser, German Stem Cell Network, Berlin

Reparatur mit Herzpflaster – Umsetzung eines präklinischen Konzeptes in die klinische Prüfung
Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UMG

Bioethik in der Entwicklung, Anwendung und Kommerzialisierung von hiPS in einem globalen Wissenschaftskonzern
Prof. Dr. Steven Hildemann, Global Chief Medical Officer, Merck, Darmstadt

Drei themenorientierte Workshops:
Kommunikation und Bewertung von Risiken, Partizipation von Patientenvertretern in der Translation, Anforderungen an die Sicherung von Spenderrechten

Samstag, 21. Oktober 2017, 09:00 bis 13:00 Uhr. Vorträge in Deutsch.

Patientenvertretung in der (iPS)-Forschung als Herausforderung für Patientenorganisationen – Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel der Mukoviszidose
Stephan Kruip, Mukoviszidose e.V., Bonn

Regulatorische Aspekte von auf induzierten pluripotenten Stammzellen basieren-den Arzneimitteln für neuartige Therapien
Prof. Dr. Gerald G. Schumann, Paul-Ehrlich-Institut, Langen

Die klinische Translation von hiPS‑Zellen: rechtliche Herausforderungen und Hürden
Sara Gerke, Dipl.-Jur. Univ., M.A. Medical Ethics and Law, Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim

Schlusswort
Prof. Dr. Jochen Taupitz, Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim

Eine Anmeldung wird bis zum 30. September 2017 erbeten. Weitere Informationen zur Anmeldung und zum genauen Programm finden Sie unter: www.clinhips.de.
 

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Dr. Solveig Lena Hansen
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
Telefon 0551 / 39-9316
solveig-lena.hansen@medizin.uni-goettingen.de
www.clinhips.de



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