Presseinformationen

Presseinformation Nr. 082 vom 26. Mai 2017

Neuer Sonderforschungsbereich für die UMG: 9 Millionen Euro zur Entwicklung von computergestützter Synapsen-Simulation

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert neuen Sonderforschungsbereich SFB 1286 an der UMG zur Untersuchung von Synapsen und die Entwicklung einer computergestützen Synapsen-Simulation mit rund 9 Millionen Euro. Vierter SFB für die UMG seit 2011


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3D Darstellung einer Synapse: Anatomische Detaildarstellung von funktionellen Proteinen in einer Synapse, dargestellt nach Forschungserkenntnissen von Gruppen, die am neuen SFB 1286 beteiligt sind. Quelle: Rizzoli


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Prof. Dr. Silvio Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie und Sprecher des Zentrums für Biostructural Imaging of Neurodegeneration (BIN) der UMG. Foto: umg


(umg) Mit 9 Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ab dem 1. Juli 2017 für die nächsten vier Jahre einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der neue Sonderforschungsbereich (SFB 1286) hat den Titel „Quantitative Synaptologie“. Sprecher des neuen SFB 1286 ist Prof. Dr. Silvio Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der UMG und Sprecher des Zentrums für Biostructural Imaging of Neurodegeneration (BIN) der UMG. Ziel des SFB 1286 „Quantitative Synaptologie“ ist es, Prä- und Postsynapsen so genau zu charakterisieren, dass eine computergestützte Simulation einer funktionalen, virtuellen Synapse möglich wird. Die computergestützte Simulation von Synapsen könnte künftig helfen, neurologische und neurodegenerative Krankheiten und mögli­cherweise deren Heilungsmechanismen genauer zu verstehen. Der SFB 1286 ist seit dem Jahr 2011 bereits der vierte SFB in Sprecherfunktion der UMG, der von der DFG bewilligt wird.

Ohne Synapsen funktioniert das Gehirn nicht. Synapsen sind die Kontaktstellen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Sie sorgen für die Übertragung von Informationen zwischen Nervenzellen oder zwischen Nervenzellen und einer anderen Zelle. Das bedeutet, sie sind die zentralen Prozessoren von Informationen im Gehirn. Ihre Funktion, Effizienz und Plastizität sind die Grundlage aller Gehirnfunktionen und des daraus folgenden Verhaltens. Weichen Synapsen in ihren Aktivitäten ab, sind sie wiederum die Ursache für viele neurologische und psychiatrische Störungen. „Wir wollen ein virtuelles Modell einer Synapse erarbeiten, das ausreichend detailliert sein wird, um synaptische Funktionen und Fehlfunktionen unter einer Vielfalt von Bedingungen, einschließlich neurologischer und psychiatrischer Krankheiten, vorauszusagen“, sagt Prof. Dr. Silvio Rizzoli, Sprecher des neuen SFBs.

NEUER SFB BÜNDELT SPITZENFORSCHUNG AM GÖTTINGEN CAMPUS

Wissenschaftler aus 24 Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften, der Physik, Chemie und Medizinischen Statistik am Standort „Campus Göttingen“ arbeiten in 25 Einzelprojekten zusammen. Assoziiert ist zudem ein Projekt unter der Leitung von Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Erwin Neher, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstand Forschung und Lehre der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät, sagt: „Wir freuen uns außerordentlich über diesen neuen SFB an der UMG mit dieser enormen Fördersumme. Er bündelt eine bemerkenswert hohe Expertise am „Göttingen Campus“. Der Einsatz der im Forschungsdesign vorgesehenen verschiedenen hochspezialisierten Verfahren modernster Bildgebung an einem Standort ist ein ausgewiesener Qualitätsfaktor für Göttingen. Wir sind stolz darauf, dass die DFG der UMG innerhalb weniger Jahre bereits ihren vierten SFB bewilligt hat. Das belegt das hohe und breite Qualitätspotential der Forschung an der Universitätsmedizin Göttingen.“

Beteiligt an dem neuen SFB sind insgesamt Forscher aus sieben Instituten und Kliniken der Universitätsmedizin Göttingen, vier Instituten der Universität Göttingen, aus dem Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience (BCCN), aus dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, dem Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sowie aus dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Göttingen.

In der ersten Förderungsphase des SFB sammeln die Forscher möglichst viele strukturelle und funktionale Daten für eine idealisierte Synapse. Dazu erforschen sie die molekulare Zusammensetzung von Synapsen während ihrer Ruhe- und Aktivitätsphasen, die genauen Positionen von synaptischen Organellen und Proteinen sowie deren Anzahl, posttranslationale Veränderungen und Interaktionen. Dabei konzentrieren sie sich auf zwei klassische Modelle für Synapsenforschung: Präparationen von synaptischen Vesikeln (Synaptosomen) – sie sind ideal für biochemische Studien – und Kulturen von hippocampalen Neuronen, sie sind ideal für bildgebende Verfahren. Dabei kommen modernste bildgebende Verfahren, inklusive mehrere superauflösende Methoden, wie STED, STORM und das von Wissenschaftlern um Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie neu entwickelte Fluoreszenzmikroskop MINFLUX, sowie nicht-optische Methoden, wie bildgebende Massenspektrometrie und 3D-Elektronenmikroskopie zum Einsatz.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Neuro- und Sinnesphysiologie
Prof. Dr. Silvio Rizzoli
Humboldtallee 23, 37073 Göttingen
Telefon 0551 / 39-5912
srizzol@gwdg.de

 



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