Presseinformationen

Presseinformation Nr. 036 vom 08. März 2017

ERC Starting Grants im Doppelpack: 3 Millionen Euro Förderung für zwei Göttinger Nachwuchsforscherinnen am ENI-Göttingen

Dr. Arezoo Pooresmaeili und Dr. Marion Silies vom European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) erhalten Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) in Höhe von jeweils 1,5 Millionen Euro.


ERC Starting Grants für ENI-G-Nach­wuchsgruppenleiterinnen: (v.l.) Dr. Arezoo Pooresmaeili und Dr. Marion Silies. Foto: umg/mischke

(umg) Zwei junge Forscherinnen am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) haben mit ihren Projektanträgen im Auswahlverfahren um eine Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) überzeugt. Dr. Arezoo Pooresmaeili und Dr. Marion Silies erhalten jeweils einen Starting Grant des ERC, beide sind Nachwuchsgruppenleiterinnen am ENI Göttingen. Ihre als exzellent bewerteten Forschungsvorhaben zu neurowissenschaftlichen Fragen werden mit jeweils 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

Beide Göttinger Nachwuchswissenschaftlerinnen haben sich mit ihren Forschungs­vorhaben einem zweistufigen Evaluierungsprozess gestellt und dabei schriftlich wie in einem persönlichen Interview in Brüssel überzeugt. Von europaweit insgesamt 2.935 eingereichten Projektanträgen in allen Disziplinen wurden 325 Anträge zur Förderung ausgewählt, das entspricht 11 Prozent. Der Anteil geförderter Wissenschaftlerinnen lag in der 9. Ausschreibungsrunde bei 30 Prozent.

Dr. Arezoo Pooresmaeili, Gruppenleiterin am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G), erhält den Starting Grant des Europäischen Forschungsrats für ihren Projektantrag „Functional circuits mediating the effects of reward value on perception within and across sensory modalities“. Das Projekt untersucht, wie sensorische Wahrnehmung durch Belohnung beeinflusst wird und welche neuronalen Mechanismen dies bewirken. Belohnung ist ein entscheidender Faktor beim Lernen. Störungen in der Belohnungsverarbeitung sind bei vielen psychiatri­schen und neurologischen Krankheiten beteiligt. Ziel der Forschung von Dr. Pooresmaeili ist es zu verstehen, wie Belohnungssignale menschliches Verhalten, insbesondere die sensorische Wahrnehmung, beeinflussen können, und welche lokalen und weitreichenden neuronalen Verbindungen dabei eine Rolle spielen.

Dr. Marion Silies, Gruppenleiterin am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G), erhält den Starting Grant des Europäischen Forschungsrats für ihren Projektantrag „Microcircuits in the fly visual system“. Dr. Silies‘ Forschungsvorhaben will dazu verhelfen, die Funktion des Gehirns besser zu verstehen. Ziel der Forschung ist es, neuronale Schaltkreise auf der Ebene einzelner neuronaler Verbindungen zu verstehen. In ihren Untersuchungen von neuronalen Netzwerken greift Dr. Silies auf die Fruchtfliege Drosophila als Modellorganismus zurück. Sie benutzt genetische Methoden, um die Schaltkreise zu entschlüsseln, die im Gehirn der Fliege visuelle Signale verarbeiten. In ihrem ERC-geförderten Projekt möchte Dr. Silies verstehen, wie spezifische Verbindungen zwischen bestimmten genetisch identifizierten Nervenzellen dazu beitragen. Dies soll zu einem generellen Verständnis führen, wie in neuronalen Netzen Information verarbeitet werden kann.

DIE WISSENSCHAFTLERINNEN

Dr. Arezoo Pooresmaeili erhielt ihren medizinischen Abschluss an der Universität Teheran (Iran) und wurde im Bereich Kognitive Neurowissenschaften an der Freien Universität Amsterdam promoviert. Im Anschluss arbeitete sie als Postdoktorandin in Pisa (Italien) und in der durch die Einstein-Stiftung Berlin geförderten Arbeits­gruppe der Berlin School of Mind and Brain. Seit April 2015 leitet sie die Nach­wuchsgruppe Perception and Cognition am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G). Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Interaktion zwischen kogniti­ven Faktoren und sensorischer Wahrnehmung im Gehirn des Menschen.

Dr. Marion Silies hat Biologie an der Universität Münster studiert und wurde dort 2009 in der Neurobiologie promoviert. Anschließend absolvierte sie einen fünfjährigen Postdoc an der Stanford University in Kalifornien (USA). Seit Ende 2014 leitet sie eine Nachwuchsgruppe am European Neuroscience Institute (ENI) Göttingen. Hierzu hatte sie bereits einen Emmy Noether Grant der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben. Dr. Silies ist Projektleiterin im Sonderforschungsbereich „Zelluläre Mechanismen sensorischer Verarbeitung“ (SFB 889; Sprecher: Prof. Dr. Tobias Moser, Universitätsmedizin Göttingen, Direktor Institut für Auditorische Neurowissenschaften) und dadurch gut in die Forschungslandschaft am Göttingen Campus integriert. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der visuellen Verarbeitung im Gehirn der Fruchtfliege.

Die „ERC Starting Grants“ dienen der Förderung von jungen Forscherinnen und Forschern aller Nationalitäten mit abgeschlossener Promotion und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz. Ziel der Förderung ist es, Forschungstalente in Europa frühzeitig eine Perspektive zu bieten und zu halten. ERC Starting Grants bieten hoch talentierten Forscherinnen und Forschern die Möglichkeit, ihre Laufbahn unabhängig zu entwickeln und den Übergang von der angeleiteten Forschung zum unabhängigen und selbständigen Forscher zu schaffen. Alleiniges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz.

Das European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) besteht seit Juni 2001 und umfasst derzeit sechs Forschungsgruppen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ENI-G widmen sich der Erforschung der Grundlagen von Hirnfunktionen auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene, sowie mit der Ursachenanalyse von Störungen. Das Spektrum reicht von der Analyse der Signalübertragung an den Synapsen der Nervenzellen über die computergestützte Modellierung neuronaler Aktivität bis zur Untersuchung von Netzwerken, welche einfaches Verhalten bis hin zu Bewusstsein steuern können. Ziel ist es, Grundlagen zu erforschen, die zur gezielten Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen des Gehirns führen können. Es gehört zum Konzept von ENI-G, dass die Forschung interdisziplinär organisiert ist.

Das ENI-G ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universitätsmedizin Göttingen und der Max-Planck-Gesellschaft München, in enger Verbindung mit den Göttinger Instituten für biophysikalische Chemie und experimentelle Medizin. Ziel des ENI-G ist die Förderung exzellenter junger Wissenschaftler auf ihrem Weg zu eigenständiger Forschung.

Weitere Informationen zum ENI-G: http://www.eni.gwdg.de/

WEITERE INFORMATIONEN
European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G)
Grisebachstraße 5, 37077 Göttingen

Dr. Arezoo Pooresmaeili, Telefon 0551 / 39-13909, a.pooresmaeili@eni-g.de

Dr. Marion Silies, Telefon 0551 / 39-13905, m.silies@eni-g.de

Sprecher des Vorstandes ENI-G
Prof. Dr. Mathias Bähr, Telefon 0551 / 39-12344, eni@gwdg.de

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Referat Internationale Beziehungen
EU Liaison Office for Life Sciences
Christiane Hennecke, M.A., Telefon 0551 / 39-8770, christiane.hennecke@med.uni-goettingen.de



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