Presseinformationen

Presseinformation Nr. 023 vom 09. Februar 2017

Weniger Krankenhaus für mehr Lebensqualität im Pflegeheim

Institut für Allgemeinmedizin der UMG erhält für Versorgungsforschungsprojekt über 1,8 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).


Eva Hummers-Pradier_2015_PIG_inter.jpg
Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier,
Direktorin des Instituts für Allgemein-
medizin der UMG, leitet das Projekt
"interpof ACT". Foto: privat


(umg) Die Aufnahme in ein Krankenhaus ist häufig ein belastendes Ereignis für Pflegeheimbewohner. Aktuell muss in Deutschland nahezu jeder dritte Pflegeheimbewohner damit rechnen, mindestens einmal pro Jahr in ein Krankenhaus verlegt zu werden. Bis zu 40 Prozent dieser Einweisungen gelten als vermeidbar. Auch der Nutzen vieler Krankenhausaufenthalte für den weiteren gesundheitlichen Verlauf ist unklar.

Die Zahl der Krankenhausaufnahmen für Pflegeheimbewohner zu verringern und darüber Lebensqualität und Zufriedenheit von Pflegeheimbewohnern zu verbessern, das sind Ziele eines Forschungsprojekts unter Leitung von Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Mit ihrem Projektkonzept waren die UMG-Allgemeinmediziner in Kooperation mit dem Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege der Universität zu Lübeck sowie der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professur für Organisation und Unternehmensentwicklung der Georg-August-Universität Göttingen sowie dem Institut für Medizinische Statistik der UMG erfolgreich im Wettbewerb um Fördergelder aus dem Innovationsfonds 2016 beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Das Göttinger Forschungsvorhaben mit dem Titel „Effekte von Strategien zur Verbesserung ärztlich-pflegerischer  Zusammenarbeit auf Krankenhausaufnahmen von Pflegeheimbewohnern – interprof ACT“ wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 1.830.000 Millionen Euro gefördert. Das Projekt startet am 1. April 2017.

„Als möglicher Ansatzpunkt, um Krankenhausaufnahmen zu vermeiden und die Bewohnersicherheit zu stärken, gelten eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und Hausärzten. So können stabile, definierte Kooperationsstrukturen und -prozesse entstehen, die die medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim stärken“, sagt Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier.

DAS PROJEKT

Ziel des Projektes interprof ACT ist es, durch ein Maßnahmenpaket die Zusammenarbeit und Kommunikation von Pflegekräften und Hausärzten so zu verbessern, dass es zu weniger Krankenhausaufnahmen für Pflegeheimbewohner kommt. Außerdem sollen die Lebensqualität und die Zufriedenheit der Bewohner gesteigert werden. Darüber hinaus wird untersucht, wie Pflegekräfte und Hausärzte die Qualität der Zusammenarbeit wahrnehmen.

Die Analyse der Einführungsphase und der weiteren Umsetzungsphase soll schließlich zeigen, wie sich durch das Maßnahmenpaket Arbeitsabläufe ändern und wie effektive Prozesse standardisiert beschrieben werden können. Langfristig können die verbesserten Kooperationsstrukturen und -prozesse als strukturell verankerte Leistungen in die Regelversorgung überführt werden.

Ziele des Innovationsfonds
Das übergeordnete Ziel des Innovationsfonds ist es, die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung qualitativ weiter zu entwickeln. Über die Versorgungsforschungsprojekte sollen Erkenntnisse zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung gewonnen werden. Alle Projekte, die der Innovationsfonds fördert, verfügen daher über ein tragfähiges Evaluationskonzept. Diese Evaluation soll Erkenntnisse liefern, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in seine Richtlinien zur Gestaltung der Vorsorgung übernommen werden können oder dem Gesetzgeber als Grundlage für strukturelle Veränderungen des gesetzlichen Rahmens dienen können.

Die Zahlen im ersten Absatz sind entnommen aus: Balzer K, Butz S, Bentzle J, Boulkhemair D, Lühmann D. Beschreibung und Bewertung der fachärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland; 2013.

WEITERE INFORMATIONEN:

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Allgemeinmedizin
Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Telefon: 0551 / 39-22638
Humboldtallee38, 37073 Göttingen
eva.hummers-pradier@med.uni-goettingen.de

 

 



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


vorherige Mitteilung   Übersicht   nächste Mitteilung