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Presseinformation Nr. 126 vom 28. September 2016

Nachwuchspreis 2016 der Akademie für Ethik in der Medizin geht an Philosophen aus Jena

Daniel Kersting für Beitrag über integratives Todeskonzept mit Nachwuchspreis der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.


Daniel Kersting
Dr. Daniel Kersting. Foto: privat


(umg) Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) hat den Philosophen Dr. Daniel Kersting aus Jena mit dem AEM-Nachwuchspreis 2016 ausgezeichnet. Die AEM würdigt seine Arbeit über ein integratives Todeskonzept, das versucht, den Todesbegriff angemessen zu definieren, und Vorschläge für eine angemessenere Aufklärung über Organspende entwickelt. Der Nachwuchspreis der AEM wurde im Rahmen der Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin am 24. September 2016 in Bielefeld verliehen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Jeden Tag sterben in Deutschland Menschen, während sie auf ein Spenderorgan warten. Kampagnen werben für eine stärkere Bereitschaft zur postmortalen Organspende. Das seit November 2012 geltende neue Transplantationsgesetz verfolgt den Zweck, durch umfassendere Aufklärung die Bereitschaft der Organspende in Deutschland zu fördern. Ob wir uns für oder gegen eine Organspende entscheiden, hängt aber auch davon ab, was wir unter dem Tod des Menschen verstehen.

DER BEITRAG: TOD DES KÖRPERS ODER TOD DER PERSON?

In der von der AEM ausgezeichneten Arbeit „Tod des Körpers oder Tod der Person? Anthropologisch-praktische Untersuchungen zu einem integrativen Todeskonzept“ beleuchtet Daniel Kersting kritisch unterschiedliche Todesvorstellungen. Er bezieht sich dabei auf aktuelle philosophische Theorien und gibt Empfehlungen zur Überprüfung des Hirntodkriteriums und eine angemessenere Aufklärung über Organspende ab.

Die aktuelle philosophische und medizinethische Debatte um die Angemessenheit des Hirntodkriteriums wird von zwei Ansätzen bestimmt: Der eine Ansatz geht davon aus, dass der menschliche Tod der Tod des Organismus ist, der andere Ansatz versteht ihn als Tod der Person. Daniel Kersting zeigt in seinem Beitrag, dass beiden Ansätzen ein verkürztes Verständnis des Menschen zugrunde liegt, das in seiner Anwendung zu zahlreichen Konflikten führt. Um diese Konflikte zu lösen, entwickelt Kersting unter Rückgriff auf die philosophische Anthropologie von Helmuth Plessner ein integratives Konzept des menschlichen Todes. Diesem Konzept zufolge stirbt der Mensch weder als Organismus, noch als Bewusstseinssubjekt, sondern als leibliche Person, bei der Körper und Geist ineinander verschränkt sind.

Als praktische Konsequenz seiner Überlegungen fordert Daniel Kersting, das Hirntodkriterium als Todeskriterium aufzugeben. Es könne aber weiter als Entnahmekriterium für die postmortale Organspende fungieren. Auf diese Weise würde sich an der Transplantationspraxis selbst nichts ändern. Es wäre aber einfacher, offen und ehrlich über die Organspende und über das, was an ihr schwierig ist, zu sprechen. Ferner spricht sich Kersting für eine offenere Aufklärung zur Organspende aus. Eine solche Aufklärung sollte keinen Druck zur Entscheidung aufbauen und auch die Unentschiedenheit bezüglich der eigenen Spendebereitschaft als respektable Haltung anerkennen.

DER PREISTRÄGER

Dr. Daniel Kersting hat an der Philipps-Universität Marburg Philosophie, Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert und wurde im Fach Philosophie promoviert. Nach einer mehrjährigen Berufstätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie an der Philipps-Universität Marburg ist Daniel Kersting seit 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für praktische Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Seine Dissertationsschrift trägt den Titel „Tod ohne Leitbild? Zur personalen Bedeutung des menschlichen Todes“.

Die Akademie für Ethik in der Medizin ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle Fachgesellschaft für Medizinethik. Sie fördert den öffentlichen und wissen-chaftlichen Diskurs über ethische Fragen in der Medizin, den Heilberufen und im Gesundheitswesen. Der Nachwuchspreis der AEM ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich vergeben. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Gebiet der Ethik in der Medizin.


WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (AEM)
Prof. Dr. Alfred Simon
Telefon 0551 / 39-9680, asimon1@gwdg.de
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
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