Presseinformationen

Presseinformation Nr. 118 vom 15. September 2016

50 Jahre Herz-OP: Göttingen als Wiege der deutschen universitären Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie

50 Jahre später: Herzpatient Nikolaus Schmitt zur Kontrolluntersuchung in der Kinderherzklinik der Universitätsmedizin Göttingen. Ärzte sind beeindruckt vom Behandlungserfolg und guten Gesundheitszustand.


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Nikolaus Schmitt mit seinem Groß-
vater auf dem Weg von Saarbrücken
zur Herz-OP an die Uniklinik Göttingen.
Foto: privat


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Herz-Ultraschall: Prof. Dr. Matthias
Sigler, leitender Oberarzt der Klinik
für Pädiatrische Kardiologie und Inten-
sivmedizin der UMG, untersucht Herrn
Schmitt in der kinderkardiologischen
Ambulanz der UMG.
Foto: umg/herzzentrum


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250 Euro für die Kinderherzklinik
der UMG: Nikolaus Schmitt (Mitte)
überreicht seine private Spende an
Prof. Dr. Friedrich Schöndube (links)
und Prof. Dr. Thomas Paul (rechts).
Foto: umg/herzzentrum


(umg) In der Kinderherzklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wurde der 58-jährige Nikolaus Schmitt untersucht. Vor 50 Jahren wurde Herr Schmitt als Kind wegen einer hochgradigen Pulmonalstenose (Verengung der Lungenschlagaderklappe) an der Universitätsklinik Göttingen am Herzen operiert. „Vor 50 Jahren war dieser Eingriff etwas Besonderes und noch sehr selten. Damals standen die Kinderkardiologie und die Kinderherzchirurgie in Deutschland noch am Anfang. Heute können wir diesen schwerwiegenden Herzfehler aufgrund modernster Techniken deutlich besser und auch schonender behandeln“, sagt Prof. Dr. Thomas Paul, Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der UMG.

Nach der nachsorgenden Untersuchung in der kinderkardiologischen Ambulanz sind die Ärzte zufrieden mit dem Gesundheitszustand von Herrn Schmitt. „Die Werte sind wirklich gut. Ich habe mir den alten OP-Bericht angeschaut und muss sagen, dass die Operation von Herrn Schmitt damals sehr gut verlaufen ist und ein großer Erfolg war. Ohne diesen lebensrettenden Eingriff stünde Herr Schmitt heute nicht hier“, zeigt sich Prof. Dr. Friedrich Schöndube, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der UMG, zufrieden.

Den Besuch in der UMG nutzte Herr Schmitt, um eine private Spende in Höhe von 250 Euro an die Kinderherzklinik zu übergeben. „Dass ich heute hier sein kann, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Durch die Arbeit der Ärzte vor 50 Jahren kann ich ein erfülltes Leben führen. Mittlerweile habe ich selbst drei erwachsene Kinder und genieße jeden Tag“, so Schmitt. 1975 machte Schmitt seine Ausbildung zum Sparkassenfachwirt bei der Sparkasse Saarbrücken. Dort arbeitet er bis heute. Nach einem schweren Motorradunfall 1999 begann Schmitt mit Ausdauersport. In zehn Jahren lief er acht Marathons und 60 Halbmarathons. Danach zwangen ihn orthopädische Probleme zum Aufhören.

Lange kinderkardiologische und kinderherzchirurgische Tradition
Nikolaus Schmitt profitierte von einer damals deutschlandweit einmaligen Krankenversorgung. Seit 54 Jahren sind Kinder mit angeborenen Herzfehlern Patienten in der Universitätsmedizin Göttingen. Mit der Berufung von Prof. Dr. Alois J. Beuren im Jahr 1962 als Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie wurde damals die erste akademische Einrichtung für herzkranke Kinder in Deutschland gegründet. Gemeinsam mit dem Kinderherzchirurgen und Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Josef Koncz, konnte die erste kinderkardiologische und kinderherzchirurgische Abteilung in Deutschland aufgebaut werden.

Zertifiziertes „Überregionales EMAH-Zentrum“
Die damaligen Pionierleistungen haben noch heute einen großen Einfluss auf die Arbeit in der UMG-Kinderherzklinik. Viele der kleinen Patienten von damals haben dank der guten Betreuung das Erwachsenenalter erreicht. „Wir behandeln in unserer Kinderherzklinik daher auch viele Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler (EMAH). Es ist schön zu sehen, dass unsere „Herzkinder“ groß werden und oftmals ein glückliches Leben führen können“, so Prof. Paul.

Durch diese Therapieerfolge im Kindesalter ergeben sich für die Göttinger Herzexperten auch neue Fragestellungen und Aufgabenfelder. Kinderkardiologen und Erwachsenenkardiologen arbeiten hierbei eng zusammen. Als Ausdruck dieser Kooperation verfügt die UMG über ein zertifiziertes „Überregionales EMAH-Zentrum“. An der Behandlung und Beratung von EMAH-Patienten sind alle zuständigen Abteilungen der UMG, wie zum Beispiel das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, beteiligt. Das interdisziplinäre Konzept sichert den Betroffenen jederzeit eine vollumfängliche Versorgung und Betreuung.

Pulmonalstenose: Krankheitsbild und Therapie
Bei einer Pulmonalstenose sind die Taschen der Pulmonalklappe verdickt und miteinander verwachsen, sodass die Klappe nicht vollständig öffnet. Je nach Schwere der Verengung ist der Blutfluss so stark gestört, dass die Kinder unter Atemnot und Blausucht leiden. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich werden. Pulmonalstenosen machen etwa fünf bis sieben Prozent aller angeborenen Herzfehler aus. Die Behandlung mittels Herzkatheterintervention oder Herzoperation zählt heute zur Routine. Hierbei wird die verengte Herzklappe geweitet und die Funktionalität wiederhergestellt.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Herzzentrum – Öffentlichkeitsarbeit
Johann-Jesko Lange, Telefon 0551 / 39-10198
johann-jesko.lange@med.uni-goettingen.de
www.herzzentrum-goettingen.de



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