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Presseinformation Nr. 108 vom 30. August 2016

Giftinformationszentrum-Nord mit Jahresbericht 2015

Über 37.800 Beratungen. Vergiftungen durch sogenannte Designer-Drogen nehmen zu. 20 Jahre GIZ-Nord in 2016 gefeiert.


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Priv.-Doz. Dr. Andreas Schaper. Foto: wenzel


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Dr. Martin Ebbecke. Foto: swen pfoertner


(umg) Seltene und ungewöhnliche Vergiftungen zu erkennen, gehört zum Tagesgeschäft der Experten des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Insgesamt 37.839 Anfragen zu Vergiftungen haben die ärztlichen Beraterinnen und Berater des GIZ-Nord im Jahr 2015 erhalten und damit erneut mehr Anfragen als im Vorjahr beantwortet. Der 24-Stunden-Service wurde zu 57 Prozent von Bürgerinnen und Bürgern und 43 Prozent von medizinischem Fachpersonal genutzt. „Die Zahl der Anfragen von über 37.000 zeigt, wie notwendig eine fachliche Beratung und der Notfallservice ist. Die Resonanz belegt zudem, wie gut das GIZ in der Bevölkerung und bei den Ärztinnen und Ärzten bekannt und akzeptiert ist", sagen Dr. Martin Ebbecke und Priv.-Doz. Dr. Andreas Schaper. Beide leiten seit Mitte 2015 das GIZ-Nord als Team.

Ein neuer Trend zeichnet sich im Jahr 2015 zunehmend deutlicher ab: Die Zahl der Anfragen zu Vergiftungen durch sogenannte Designer-Drogen oder synthetisch hergestellte Rauschmittel nimmt zu. „Jedes Jahr kommen neue Drogen in immer anderen Zusammensetzungen auf den Markt. Synthetische Drogen verdrängen „klassische Drogen“, wie Haschisch, Kokain oder Herion“, sagt Dr. Martin Ebbecke. 

Der Jahresbericht des GIZ-Nord analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Oft sind es Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Kinder gefährlich werden können. Die größte Vergiftungsgefahr geht für Kinder von chemischen Produkten, Arzneimitteln und Pflanzen aus. Bei Erwachsenen überwiegen klar Vergiftungen mit Arzneimitteln.

Die Hauptaufgabe des GIZ-Nord ist die Beratung im akuten Vergiftungsfall. Mit dem Jahresbericht und der Erstellung detaillierter Spezialanalysen kommt das GIZ-Nord einer weiteren zentralen Aufgabe nach: Es berichtet den Überwachungsbehörden und der Fachöffentlichkeit über die aktuelle Vergiftungssituation.

Im Jahr 2015 war das GIZ-Nord an 28 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Zahlreiche Einladungen zu internationalen Konferenzen zeigen, wie gut die Institution auch im internationalen Umfeld anerkannt ist. 43-mal berichteten Mitarbeiterin-nen und Mitarbeiter des GIZ-Nord in Kliniken und auf wissenschaftlichen Kongressen über Themen wie Rauchgasvergiftungen, Drogennotfälle, Vergiftungen mit Giftpilzen und Haushaltschemikalien, toxikologische Laboranalytik sowie die Auseinandersetzung mit chemischen Kampfstoffen.

Das GIZ-Nord ist eine Einrichtung der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit Sitz an der Universitätsmedizin Göttingen. Hier ist das GIZ-Nord in das Pharmakologisch-toxikologische Servicezentrum (PTS) der UMG eingebettet. Das PTS mit seinen toxikologischen Laboren erweitert die Kompetenz des Zentrums in der Ursachenforschung von Vergiftungen. Vor Ort steht eine schnelle und genaue Analytik zur Verfügung, die auch bisher unbekannte Medika-mente oder Drogen im Urin nachweist.

20 JAHRE GIFTINFORMATIONSZENTRUM-NORD

Im Juni 2016 feierte das GIZ-Nord sein 20jähriges Bestehen. Vor zahlreichen Geburtstagsgästen in der Aula der Universität würdigten die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt und Dr. Martin Siess, Vorstand Krankenversorgung der UMG, die herausragende Kompetenz des GIZ-Nord und seine internationale Sichtbarkeit. Schon bei der Gründung des GIZ-Nord im Jahre 1996 galt es als zukunftsweisend, die Einrichtung als Kooperation der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu realisieren. Kultureller Höhepunkt der Veranstaltung war der Festvortrag von Alex Campbell. Der Präsident der Vereinigung europäischer klinischer Toxikologen hat sich auch als Opernkenner und -kritiker einen Namen erworben. Er zeigte anhand vieler musikalischer Beispiele, dass Gifte und Vergiftungen nicht nur im realen Leben, sondern auch in der Opernwelt über die Jahre Angst und Schrecken verbreiten.

Weitere Informationen, die aktuellen und die bisherigen Jahresberichte sowie ver-schiedene Warnmeldungen über aktuelle Vergiftungsgefahren sind abrufbar über die Internetseite: www.giz-nord.de

Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551 / 19240. Vorsorgliche Anfragen können auch per E-Mail (anfragen@giz-nord.de) übermittelt werden.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Dr. Martin Ebbecke, Priv.-Doz. Dr. Andreas Schaper,
Leiter Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) und
Pharmakologisch-toxikologisches Servicezentrum (PTS)
Telefon 0551 / 38 31 80, Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen, www.giz-nord.de



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