Presseinformationen

Presseinformation Nr. 101 vom 05. August 2016

Nachruf für Universitätsprofessor Dr. Lutz W. R. Kobes

Früherer Direktor der Abteilung Prothetik am Universitätsklinikum Göttingen verstorben.


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Universitätsprofessor Dr. Lutz
Kobes. Foto: privat


(umg) Universitätsprofessor Dr. med. dent. Lutz W. R. Kobes, langjähriger Direktor der ehemaligen Abteilung Prothetik I im Zentrum Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Göttingen und Emeritus der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen, ist am 21. Juli 2016 im Alter von 82 Jahren verstorben. Prof. Kobes leitete die Abteilung Prothetik I von 1973 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000. Zudem hatte er von 1977 bis 1983 die kommissarische Leitung der Abteilung Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Göttingen inne.

Die Universitätsmedizin Göttingen trauert um einen engagierten, national und international erfolgreichen Wissenschaftler und begeisterten Hochschullehrer. Die Universitätsmedizin Göttingen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. med. dent. Lutz W. R. Kobes wurde am 26. August 1933 in Crimmitschau/Sachsen geboren. Nach dem Studium der Zahnheilkunde an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erhielt er 1956 die zahnärztliche Approbation und wurde 1957 mit einer Arbeit über „Zahnersatz unter phonetischen Aspekten“ promoviert. 1958 wurde er zum wissenschaftlichen Assistenten ernannt. Er arbeitete unter anderem im Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich und mehrmals an der Meraner Kieferklinik. Prof. Kobes habilitierte sich 1966 mit einer Arbeit zur „Versorgung von Kiefer-Gaumendefekten auf prothetischem Wege und deren Auswirkungen auf die Bildung der Sprachlaute“ an der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor erfolgte 1971. Im Jahr 1973 erhielt Prof. Kobes den Ruf auf den Lehrstuhl für Zahnersatzkunde an der Universität Göttingen und wurde 1974 zum ordentlichen Professor ernannt. Seit dieser Zeit war er Direktor der Prothetischen Abteilung, die im Zuge einer Umstrukturierung 1980 in „Abteilung Prothetik I“ umbenannt und dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Universitätsklinikums Göttingen zugeordnet wurde.

Schwerpunkte seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten waren die Werkstoffkunde, die Defektprothetik, die Rehabilitation des zahnlosen Kiefers und des funktionsgestörten Kausystems.

Lutz Kobes war Mitglied der ersten Nomenklaturkommission der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde und Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Funktionsdiagnostik sowie der European Prosthodontic Association (EPA), deren Präsident er 1983 war und deren Ehrenpräsident er seit seiner Emeritierung im Jahr 2000 gewesen ist. Für seine Verdienste um das Fachgebiet „Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde“ wurden ihm die Hans van-Thiel-Medaille (1998) und die Silberne Ehrennadel der Zahnärzteschaft (2004) verliehen. Unter seiner Ägide wurden drei Habilitationen erfolgreich abgeschlossen, etwa 140 Promotionen wurden von ihm betreut.

Außerhalb der Zahnheilkunde hat sich Prof. Lutz Kobes zusätzlich den Ruf einer international geschätzten Fachautorität als Entomologe (Insektenkundler) erworben. 137 Falter wurden von ihm erstmalig beschrieben, einige Nachtfalter nach ihm benannt. Besondere Verdienste erwarb er sich durch die Untersuchung der Nachtfalter von Sumatra. Lutz Kobes gründete und leitete die Gesellschaft „Heterocera Sumatrana Society (HSS)“ und war Herausgeber der Zeitschrift „Heterocera Sumatrana“ (1986–2011). Für seine Verdienste um die Zoologische Staatssammlung München erhielt er im Jahr 2010 die Ritter-von-Spix-Medaille.


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