Presseinformationen

Presseinformation Nr. 090 vom 24. Juni 2016

Forschungspreis für Tumorgenetikerin der UMG

Lore-Zech-Preis der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) würdigt wissenschaftliche Arbeit zur Tumorgenetik. Forscherin der UMG ausgezeichnet. 1.000 Euro Preisgeld.


Ganster_Christina_Dr_Portraet__PIG_inter.jpg
Lore-Zech-Preis 2016 für Dr.
Christina Ganster, wissenschaftliche
Mitarbeiterin der Klinik für Hämatologie
und Medizinische Onkologie der UMG.
Foto: privat


Lore Zech Preis_Verleihung_bearbeitet_PIG_inter.jpg
Verleihung des Lore-Zech-Preis
2016 (v.l.): Prof. Dr. Harald Rieder,
Dr. Christina Ganster, Prof. Dr.
Claudia Haferlach. Foto: GfH


(umg) Dr. Christina Ganster, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Detlef Haase, ist von der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) mit dem Lore-Zech-Preis ausgezeichnet worden. Die Wissenschaftlerin erhielt die Auszeichnung für eine Arbeit zum Verlust des Y-Chromosoms bei Patienten mit Myelodysplastischen Syndromen (MDS). Der Preis ging zum zweiten Mal an eine Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe.

Der Verlust des Y-Chromosoms ist eine klonale Chromosomenveränderung, die bei etwa 10 Prozent der MDS-Patienten in den Knochenmarkstammzellen auftritt. Diese genetische Veränderung ist zudem ein normales, altersabhängiges Phänomen. In der ausgezeichneten Arbeit hat Dr. Ganster ein Verfahren beschrieben, das bei MDS-Patienten die Unterscheidung eines altersbedingten von einem kranheitsassoziierten Verlust des Y-Chromosoms mittels Analyse des peripheren (Armvenen-) Blutes ermöglicht. Außerdem konnte sie zeigen, dass der Verlust des Y-Chromosoms sowohl bei gesunden Kontrollpersonen als auch bei MDS-Patienten vermehrt in den CD34-positiven Blutvorläuferzellen auftritt, aus denen sich ein MDS entwickelt.

Originalpublikation:
Christina Ganster, Dietrich Kämpfe, Klaus Jung, Friederike Braulke, Katayoon Shirneshan, Sigrid Machherndl-Spandl, Susanne Suessner, Carsten P. Bramlage, Tobias J. Legler, Michael J. Koziolek, Detlef Haase, Julie Schanz (2015) New data shed light on Y-loss-related pathogenesis in myelodysplastic syndromes. Genes Chromosomes Cancer 54:717-24.

Genetische Veränderungen werden bei MDS-Patienten in den Knochenmarkszellen nachgewiesen. Im Spezialdiagnostiklabor für individuelle Genomdiagnostik der UMG unter der Leitung von Prof. Detlef Haase wurden Verfahren entwickelt, um diese Anomalien auch im peripheren Blut zu entdecken. Bei älteren Patienten mit Verdacht auf ein MDS fällt bei der Durchführung der Analyse mittels „Fluoreszenz In Situ Hybridisierung“ (FISH) aus dem peripheren Blut oft ein kleiner Anteil an Zellen mit Verlust des Y-Chromosoms auf. Für die Bewertung dieser Anomalie wurden bisher Empfehlungen aus früheren Studien berücksichtigt, die festlegen, ab welchem Anteil an betroffenen Knochenmarkszellen ein Verlust des Y-Chromosoms mit der Krankheit assoziiert ist. In der nun ausgezeichneten Arbeit konnte erstmals ein reproduzierbarer Schwellenwert für einen krankheitsassoziierten Y-Verlust für die FISH-Analyse an peripheren Blutzellen ermittelt werden.

„Auch in der von uns untersuchten Kohorte war der Y-Verlust mit dem Alter assoziiert und der Anteil an Zellen mit Y-Verlust war bei älteren MDS-Patienten und älteren Kon-trollpersonen ohne hämatologische Erkrankung höher als bei jungen Männern. Aber sowohl bei MDS-Patienten als auch bei älteren Kontrollpersonen waren die CD34+ myeloischen Vorläuferzellen stärker vom Y-Verlust betroffen. Sie sind also offensichtlich genetisch instabiler als die üblicherweise nicht in die Krankheit invol-vierten CD3+ T-Zellen“, sagt Dr. Christina Ganster, Erst-Autorin der ausgezeichneten Publikation. „In unserem Modell der Pathogenese von MDS mit Y-Verlust könnte ein altersbedingter Y-Verlust in CD34+ Zellen für das Auftreten weiterer somatischer Veränderungen disponieren, die dann die Entstehung eines MDS begünstigen könnten.“

Mit dem Lore-Zech-Preis zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) eine herausragende Arbeit mit dem Schwerpunkt somatische Tumorgenetik und insbesondere Tumorzytogenetik aus. Die Verleihung des mit 1.000 Euro dotierten Preises fand Ende Mai 2016 während der Tumorgenetischen Arbeitstagung der GfH in München durch den Sprecher der Kommission Somatische Tumorgenetik, Prof. Dr. Harald Rieder aus Düsseldorf, und die Tagungspräsidentin, Prof. Dr. Claudia Haferlach aus München, statt.

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind erworbene heterogene Stammzellerkrankungen. Die Erkrankungsformen von MDS sind sehr unterschiedlich und reichen von relativ harmlosen bis hin zu sehr bösartigen Verläufen. Die Krankheit tritt vor allem bei Patienten über 60 Jahren auf. Patienten mit MDS bilden aus ihren Stammzellen keine vollständig reifen und funktionstüchtigen Blutzellen mehr, da ihre Stammzellen genetisch verändert sind. Der Körper produziert nicht mehr ausreichend Blut und unreife Knochenmarkszellen können sich vermehren. Eine Leukämie ist die mögliche Folge. Da sich der Verlauf der Krankheit jederzeit von gut- zu bösartig verändern kann, ist es sehr wichtig, bei Diagnosestellung und dann regelmäßig im Verlauf zu kontrollieren, ob und welche genetischen Veränderungen in den Stammzellen vorliegen. Die Behandlung reicht von einer rein unterstützenden Therapie bis zur Knochenmarktransplantation.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie
INDIGHO Spezialdiagnostiklabore
Dr. Christina Ganster, Telefon 0551 / 39-9473, Fax 0551 / 39- 9927
christina.ganster@med.uni-goettingen.de



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


Übersicht