Presseinformationen

Presseinformation Nr. 068 vom 19. Mai 2016

Embryonenforschungspolitik in Deutschland – ein Sonderweg?

Politikwissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Simon Fink diskutiert die Besonderheiten der Entstehung des deutschen Embryonenschutzgesetzes. Öffentlicher Vortrag mit Diskussion, Mittwoch, 25. Mai 2016, 13:00 bis 14:30 Uhr


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Priv.-Doz. Dr. Simon Fink. Foto: privat


(umg) 1990 wurde – nach langer Diskussion – das deutsche Embryonenschutzgesetz (ESchG) verabschiedet. Dieses regelt den medizinischen und technischen Zugriff auf den Embryo. Obgleich das ESchG aus ethischer und rechtlicher Sicht vielfach kritisiert wird, ist es bis heute nahezu unverändert in Kraft.

Die deutsche Embryonenforschungspolitik gilt unter Sozialwissenschaftlern als ungewöhnlich streng. Die gängigen Erklärungen dafür betonen die Rolle des Grundgesetzes als symbolische Wertordnung und die nationalsozialistische Vergangenheit. Diese Erklärungen sind aber häufig aus Einzelfallbetrachtungen gewonnen. Der Politikwissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Simon Fink von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg untersucht in seinem Vortrag im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), ob Deutschlands Embryonenpolitik tatsächlich ein ungewöhnlicher Fall ist. Der Vortrag findet statt am Mittwoch, dem 25. Mai 2016, um 13:00 Uhr im Seminarraum des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin (Direktorin: Prof. Dr. Claudia Wiesemann) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Humboldtallee 36. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin. Die Organisation liegt bei Dr. Katharina Beier vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, UMG.

Öffentlicher Vortrag
Ein deutscher Sonderweg? Die deutsche Embryonenforschungspolitik im Licht international vergleichender Daten
Priv.-Doz. Dr. Simon Fink
Mittwoch, 25. Mai 2016, 13:00 Uhr
Seminarraum, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der UMG
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
EINTRITT FREI

Unter Anwendung politikwissenschaftlicher Theorien, wie z.B. Parteiendifferenztheorien, institutionalistischen, polit-ökonomischen und kulturalistischen Theorien, zeigt Priv.-Doz. Dr. Fink, dass diese zwar auf die OECD-Welt gut anwendbar sind, den deutschen Fall aber kaum zu erklären vermögen. Über den Ausschluss von alternativen Erklärungen wird daher eine soziologisch-institutionalistische Hypothese gestärkt: Nur die besondere deutsche Kombination aus nationalsozialistischer Vergangenheit und Verfassungsdiskurs kann die spezifische Ausprägung des ESchG in Deutschland erklären.

DER REFERENT

Priv.-Doz. Dr. Simon Fink arbeitet als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für vergleichende Politikwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach einem Magisterstudium der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Psycho-logie an der Universität Konstanz promovierte er an der Universität Bamberg am Graduiertenkolleg „Märkte und Sozialräume in Europa“. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Einfluss von Religion auf Embryonenforschungspolitiken. 2014 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Diffusion von Privatisierungspolitiken.


WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Dr. Katharina Beier, Telefon 0551 / 39-4184
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
katharina.beier@medizin.uni-goettingen.de



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