Presseinformationen

Presseinformation Nr. 047 vom 15. April 2016

Nachruf: Universitätsprofessor Dr. Heinrich Kreuzer verstorben

Ehemaliger Ordinarius für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Direktor der Abteilung Kardiologie und Pulmonologie und Emeritus der Medizinischen Fakultät im 87. Lebensjahr verstorben.


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Universitätsprofessor Dr. Heinrich Kreuzer. Foto: privat


(umg) Universitätsprofessor Dr. med. Heinrich Kreuzer, langjähriger Direktor der ehemaligen Abteilung Kardiologie und Pulmonologie am Universitätsklinikum Göttingen und Emeritus der Medizinischen Fakultät, ist am 12. April 2016 im 87. Lebensjahr verstorben. Als Inhaber des Lehrstuhls für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie leitete Prof. Kreuzer von 1976 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 die damalige Abteilung Kardiologie und Pulmonologie im Zentrum Innere Medizin am Universitätsklinikum Göttingen. Prof. Dr. Kreuzer hat mit seinem Engagement und seinen Ideen in den 1970er und 1980er Jahren entscheidend daran mitgewirkt, neue, invasive Behandlungsmöglichkeiten von Erkrankungen des Herzens und insbesondere des akuten Herzinfarkts zu etablieren und weiterzuentwickeln. Die Göttinger Kardiologie führte Prof. Kreuzer konsequent an moderne Standards heran und machte sie mit der Einführung neuer Verfahren der Kardiologie weltweit sichtbar. Neben seinen klinischen und forschenden Tätigkeiten war Prof. Kreuzer in Gremien und Kommissionen der Medizinischen Fakultät Göttingen aktiv. Rund vierzehn Jahre lang gehörte er dem Klinikumsvorstand an, von 1983 bis 1985 als Ärztlicher Direktor. Als Emeritus blieb Prof. Kreuzer der Medizinischen Fakultät verbunden und gehörte von 1999 bis 2003 der Kommission zur Auszeichnung von Persönlichkeiten an. Von Mai 1998 bis August 2007 hatte er die ärztliche Leitung der Krankenpflegeschule der UMG inne.

Die Universitätsmedizin Göttingen trauert um einen sehr renommierten Kardiologen, engagierten und zugewandten Arzt, hervorragenden Forscher, Hochschullehrer und Mentor. Die Universitätsmedizin Göttingen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. Heinrich Kreuzer wurde am 6. Juni 1929 in Würzburg geboren. Er studierte Humanmedizin in Würzburg, Hamburg und München. Ein Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft führte ihn schon früh nach Göttingen. Von 1957 bis 1959 erhielt er an der Physiologischen Abteilung des Max-Planck-Instituts für Medizinische Forschung eine Ausbildung in theoretischer Medizin. Während dieser Zeit entstanden bedeutsame und vielbeachtete Arbeiten über den Sauerstoffverbrauch im stillstehenden, flimmernden und leerschlagenden Herzen. Seine Facharztweiterbildung zum Internisten absolvierte Heinrich Kreuzer an der Medizinischen Klinik der Universität Düsseldorf. 1965 erlangte er die Habilitation im Fach Innere Medizin. Im Jahr darauf wechselte er als Oberarzt an die Medizinische Klinik B (Kardiologie) der Universität Düsseldorf zu Prof. Dr. Franz Loogen und lernte hier erste Methoden einer damals neuen invasiven Kardiologie kennen und zu entwickeln. 1970 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt, ein Jahr später zum wissenschaftlichen Rat und Professor. Bevor er 1976 dem Ruf nach Göttingen auf den Lehrstuhl für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie folgte, war er seit 1975 als Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik II des Katharinenhospitals in Stuttgart klinisch tätig.

KLINISCHE UND WISSENSCHAFTLICHE SCHWERPUNKTE

Professor Kreuzer führte die Abteilung Kardiologie und Pulmonologie des Universitätsklinikums Göttingen mit großem Engagement in der Krankenversorgung und Forschung. Unter seiner Leitung gehörte die Göttinger Herzforschung schon damals zur Spitzengruppe der deutschen Kardiologien. Interventionelle Techniken, heute als „minimal-invasiv“ bezeichnet, und eine moderne, internistische Intensivmedizin wurden von ihm konsequent aufgebaut und in die Routine gebracht. Die thrombolytische Behandlung des akuten Herzinfarkts wurde 1979/80 erstmals im Göttinger Herzkatheterlabor an einer größeren Patientengruppe durchgeführt. Die günstigen Ergebnisse lösten damals ein internationales Echo aus und führten schließlich zur Einführung der Thrombolyse in die Routinebehandlung des Herzinfarktes. Mitte der 90er Jahre führte die Kardiologie der Göttinger Universitätsmedizin unter Leitung von Prof. Kreuzer pro Jahr bereits mehrere tausend Linksherzkatheteruntersuchungen durch, dazu über tausend Ballondilatationen und 500 elektrophysiologische Untersuchungen zur Abklä-rung von Herzrhythmusstörungen.

Das wissenschaftliche Interesse Heinrich Kreuzers galt der Hämodynamik bei koronaren Herzkrankheiten (KHK), der Behandlung des akuten Infarktes und den Erkrankungen des Herzmuskels. Forschungsschwerpunkte waren unklare Herzmuskelleiden sowie interventionelle Methoden, wie die (heute inzwischen selbstverständliche) Implantation von Gefäßstützen (Stents) in Koronararterien. Unter der Leitung von Prof. Kreuzer wurden in Göttingen neue Verfahren zur Beseitigung von Herzrhythmusstö-rungen und die Anwendung von Lasertechnik zur Behandlung von Koronarstenosen untersucht. Es wurden Systeme entwickelt, die bei schwerem Pumpversagen des Herzens eingesetzt werden können und die Zeit überbrücken helfen, bis eine Transplantation erfolgen kann. Erste Versuche wurden unternommen, verengte Herzklappen durch kathetergeführte Herzklappen zu ersetzen. Dabei war Prof. Kreuzer auch offen für andere Behandlungsansätze. So vermochte ihn die Idee einer psychosomatischen Betrachtungsweise von Erkrankungen des Herzens zu bewegen und zu überzeugen.

Für seine wissenschaftliche Arbeit in der Kardiologie erhielt Prof. Dr. Kreuzer 1967 den Hörlein-Preis und wurde 1983 mit dem Paul-Morawitz-Preis der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung ausgezeichnet. 1994 war er Präsident dieser Fachgesellschaft und wesentlich daran beteiligt, deren Strukturänderung zu einer modernen Fachgesellschaft und Umbenennung in „Deutsche Gesellschaft für Kardiologie“ voranzubringen. Für langjährige herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Herz- und Kreislaufforschung verlieh ihm die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung im Jahr 2003 die Carl-Ludwig-Ehrenmedaille. Aus den wissenschaftlichen Aktivitäten von Professor Kreuzer und seiner Arbeitsgruppe sind über 400 Publikationen hervorgegangen. Viele seiner ehemaligen Schüler sind inzwischen in leitenden Positionen tätig, so dass der Einfluss von Prof. Kreuzer die deutsche Kardiologie nachhaltig geprägt hat.


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