Presseinformationen

Presseinformation Nr. 045 vom 11. April 2016

Was uns die Baupläne des Lebens lehren

Öffentliche Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Bernd Wollnik, neuer Direktor des Instituts für Humangenetik Universitätsmedizin Göttingen. Freitag, 15. April 2016, 14:00 Uhr, Hörsaal 542, Universitätsklinikum, Robert-Koch-Straße 40.


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Prof. Dr. Bernd Wollnik, neuer
Direktor des Instituts für Humange-
netik der Universitätsmedizin Göt-
tingen. Foto: umg/hzg


(umg) „Faszination Medizinische Genomforschung: Was uns die Baupläne des Lebens lehren“, so lautet der Titel der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Bernd Wollnik. Seit September 2015 ist Prof. Wollnik Inhaber der W3-Professur für Humangenetik. Er leitet als neuer Direktor das Institut für Humangenetik an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in der Nachfolge von Prof. Dr. Wolfgang Engel. Die Antrittsvorlesung ist öffentlich und findet statt am Freitag, dem 15. April 2016, um 14:00 Uhr im Hörsaal 542 des Universitätsklinikums Göttingen. Zur Begrüßung spricht Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät und Sprecher des Vorstandes der Universitätsmedizin Göttingen.

„Faszination Medizinische Genomforschung: Was uns die Baupläne des Lebens lehren“
Öffentliche Antrittsvorlesung von Universitätsprofessor Dr. Bernd Wollnik,
Direktor des Instituts für Humangenetik der UMG
Freitag, 15. April 2016, 14:00 Uhr
Hörsaal 542, Universitätsklinikum Göttingen
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen

In seiner Antrittsvorlesung geht Prof. Dr. Bernd Wollnik der Frage nach, warum es momentan eine große Aufbruchsstimmung in der Genomforschung gibt. Er erläutert, wofür die Humangenetik die neuen, hochmodernen Technologien zur Bestimmung der Bausteine der Erbinformation einsetzt, warum es so wichtig ist, ursächliche Krankheitsgene zu finden, und was uns die Baupläne des Lebens in der DNS (Desoxyribonukleinsäure) lehren.  

Prof. Dr. Bernd Wollnik, 1966 in Köln geboren, hat in Bonn an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Humanmedizin studiert. 1996 wurde er hier mit einer Arbeit über das Genexpressionsmuster bei Herzhyperthrophie promoviert. Seine Ausbildung als „Arzt im Praktikum“ absolvierte er an der Neurologischen Klinik und dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie der Universität Hamburg. Im Juni 1997 erlangte er die Approbation als Arzt und begann noch im selben Jahr mit seiner hu-mangenetischen Weiterbildung und einer intensiven wissenschaftlichen Tätigkeit auf diesem Gebiet. Ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Nachwuchswissenschaftler führte ihn an die Universität Istanbul an das Institut für Medizinische Genetik. In den Jahren bis 2004 leitete Wollnik die Abteilung für Molekulargenetik des Istanbuler Instituts und war als „Foreign Lecturer“ tätig. Bis zu seiner Berufung nach Göttingen war Prof. Wollnik seit 2004 am Institut für Hu-mangenetik der Universität Köln tätig. Bis 2012 leitete er am Zentrum für Molekulare Medizin eine Nachwuchsgruppe. Im August 2012 wurde er auf die Professur für medizinische Genetik berufen und übernahm zusätzlich die Leitung des von ihm neu gegründeten Zentrums für seltene Erkrankungen an der Kölner Uniklinik. Seit 1. September 2015 ist Prof. Bernd Wollnik Direktor des Instituts für Humangenetik der Universitätsmedizin Göttingen.

WISSENSCHAFTLICHE SCHWERPUNKTE
Prof. Dr. Wollniks wissenschaftliche Schwerpunkte liegen auf der Erforschung molekularer Ursachen von ausgewählten erblichen Erkrankungen und der Gen-Identifizierung bei sogenannten „monogenen“ seltenen Syndromen, bei denen nur ein Gen für die Ausprägung des Merkmals verantwortlich ist. Dazu gehören z.B. angeborene Gesichtsfehlbildungen, Mikrozephalien und unterschiedliche Skeletterkrankungen. Außerdem erforscht der Humangenetiker die pathophysiologischen Grundlagen von erblichen Syndromen, die mit einer beschleunigten Alterung einher-gehen (Progerien).

Die Identifizierung von zugrundeliegenden Genen und deren funktioneller Charakterisierung soll neue Einblicke in die molekulare Pathogenese von Alterungsprozessen und das Auftreten von altersabhängigen Erkrankungen geben. Hierbei sind für Prof. Wollnik besonders Herz-Kreislauferkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen und die Prozesse von Interesse, die bei der Entstehung von Tumoren eine Rolle spielen. Erkenntnisse, die durch die Arbeit an monogenen Erkrankungen mit be-schleunigter Alterung erzielt werden, können so auf allgemeine Alterungsprozesse übertragen werden.

Seine Arbeiten zur Gen-Identifizierung bei seltenen Erkrankungen wird Prof. Wollnik auch weiterhin im Rahmen von nationalen und internationalen Netzwerken durchführen. Die Etablierung und Anwendung von Next Generation Sequencing (NGS) in Forschung und Diagnostik ist Prof. Wollnik ein weiteres wichtiges Anlie-gen. Seine Erfahrungen in der Durchführung von Genidentifizierungsstudien mittels Exomsequenzierung, das bedeutet die gleichzeitige Analyse aller 19.000 Gene, und besonders im Bereich der Auswertung von Exomdaten möchte Wollnik im Institut für Humangenetik der UMG weiter ausbauen und die Durchführung dieser Analysen auch anderen Fachrichtungen anbieten.

SCHWERPUNKTE IN DER KRANKENVERSORGUNG
Die klinische Patientenversorgung und die molekulargenetische Diagnostik am Institut für Humangenetik der UMG werden künftig weiter gestärkt und ausgebaut. Neueste Technologien und Erkenntnisse sollen in die Routineversorgung aufgenommen werden. Insbesondere moderne Verfahren, wie die Exom- und Genomsequenzierung, sollen im Institut für Humangenetik der UMG möglichst bald auch in der Diagnostik von angeborenen, klinisch nicht diagnostizierten, seltenen Syndromen zur Verfügung stehen.

Auch wird sich Prof. Wollnik aktiv am Aufbau eines Zentrums für seltene Erkrankungen an der UMG beteiligen. Etwa drei bis fünf Millionen Patienten in Deutschland leiden unter einer seltenen Erkrankung. Dabei gilt eine Erkrankung als selten, wenn sie weniger als einen von 2.000 Menschen betrifft. Diagnostik, Behandlung, Therapie und Erforschung seltener Erkrankungen verlangen die enge Zusammenarbeit vieler Fachrichtungen. „Ein Zusammenschluss dieser Spezialisten ist nicht nur für eine gute Versorgung von Patienten überaus wichtig, sondern auch für die Erforschung der Ursachen seltener Erkrankungen und die Entwicklung neuer Therapien“, sagt Prof. Wollnik.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Direktor des Instituts für Humangenetik
Prof. Dr. Bernd Wollnik
Telefon 0551 / 39-7589, bernd.wollnik@med.uni-goettingen.de
Heinrich-Düker-Weg 12, 37073 Göttingen



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