Presseinformationen

Presseinformation Nr. 023 vom 16. Februar 2016

Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2015 für Neuropädiater der UMG

Preis für Förderung der klinischen Forschung in Neurologie und Psychiatrie. Nachwuchsforscher aus Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG, Abteilung Neuropädiatrie. Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.


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Priv.-Doz. Dr. Hendrik Rosewich,
Klinik für Kinder- und Jugendme-
dizin, Abteilung Neuropädiatrie, der
UMG. Foto:Bayer HealthCare


(umg) Priv.-Doz. Dr. Hendrik Rosewich aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abteilung Neuropädiatrie, der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat den „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2015“ erhalten. Rosewich teilt sich den Preis mit zwei weiteren Forschern. Er erhält die Auszeichnung für die Forschung auf dem Gebiet der „ATP1A3-assoziierten Bewegungsstörungen im Kindes- und Erwachsenenalter.“ Der „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis“ ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird von Bayer HealthCare Deutschland für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften ausgeschrieben. Der Preis dient der Förderung der klinischen Forschung in der Neurologie und Psychiatrie.

DER PREISTRÄGER
Priv.-Doz. Dr. Hendrik Rosewich (40) hat in Düsseldorf Medizin studiert und wurde 2004 an der Georg-August Universität in Göttingen promoviert. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Johns Hopkins University in den USA arbeitet er als Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG. Er beschäftigt sich mit peroxisomalen Stoffwechselerkrankungen, wie dem Zellweger-Syndrom und der X-chromosomalen Adrenoleukodystrophie, und mit seltenen Bewegungsstörungen des Kindes- und Jugendalters. 2014 erhielt er die Venia legendi für das Fach Pädiatrie und leitet eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Ursachenklärung ATP1A3-assoziierter Bewegungsstörungen im Kindes- und Erwachse-nenalter beschäftigt.

GENETISCHE URSACHE DER ALTERNIERENDEN HEMIPLEGIE IM KINDESALTER
Für die Entdeckung der genetischen Ursache der seit mehr als 40 Jahren bekannten alternierenden Halbseitenlähmung des Kleinkindalters (Alternating Hemiplegia of Childhood, AHC) wurde Priv.-Doz. Dr. Hendrik Rosewich der Hans-Jörg Weitbrecht-Wissenschaftspreis 2015 verliehen.

Dr. Rosewich konnte gemeinsam mit Prof. Dr. Knut Brockmann (Ärztlicher Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums, UMG), Frau Prof. Dr. Jutta Gärtner (Direktorin der Klinik für Kinder und Jugendmedizin, UMG), sowie der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Peter Nürnberg (Cologne Center for Genomics, CCG, Köln) zeigen, dass die Ursache der seltenen neurologischen Erkrankung ein Defekt im ATP1A3-Gen ist, das auf Chromosom 19 liegt. Es kodiert für eine Natrium-Kalium-Pumpe, die von entscheidender Bedeutung für den Erhalt des Ruhepotenzials und somit auch für die Reizweiter-leitung in Nervenzellen ist. Die Folgen sind Bewegungsstörungen und Störungen der kognitiven Funktion. Bei den betroffenen Kindern treten schon im ersten Lebensjahr Halbseitenlähmungen auf, die an einem Schlaganfall denken lassen. Die richtige Di-agnose kann jetzt anhand einer genetischen Untersuchung gestellt und den Patienten können dadurch weitere belastende Untersuchungen erspart werden.

Interessanterweise wird durch Mutationen im ATP1A3-Gen nicht nur die AHC, sondern auch eine seltene Bewegungsstörung des Erwachsenenalters, das sogenannte Dystonie-Parkinson-Syndrom mit raschem Beginn (Rapid onset Dystonia Parkinso-nism, RDP) verursacht. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Pathogenese dieser bei-den Krankheitsbilder gemeinsam zu untersuchen und neue Therapieansätze zu ent-wickeln“, sagt Rosewich.

HANS-JÖRG WEITBRECHT – RENOMMIERTER PSYCHIATER UND NEUROLOGE
Der Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis 2015 wurde bereits zum 14. Mal verliehen. Die Auszeichnung ist benannt nach Hans-Jörg Weitbrecht (1909-1975), einem renommierten Psychiater und Neurologen, der von 1956 bis zu seinem Tod den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie der Universität Bonn innehatte. Weitbrecht vertrat sowohl die Psychiatrie wie auch die Neurologie in Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Von der eigenen wissenschaftlichen Arbeitsrichtung her war Weitbrecht Psychiater. Er verfasste bedeutende Arbeiten zur klinischen Psychopathologie. Weitbrecht galt Zeit seines Lebens als unorthodox denkender, fortschrittlicher und für die Freiheit der Forschung und Unabhängigkeit eintretender Wissenschaftler.

Der von Bayer HealthCare Deutschland gestiftete „Hans-Jörg Weitbrecht Wissenschaftspreis“ wird alle zwei Jahre für besondere Leistungen auf dem Gebiet der klinischen Neurowissenschaften ausgeschrieben. Der Preis dient der Förderung der klinischen Forschung in Psychiatrie und Neurologie. Der Preis geht an Wissenschaftler, die herausragende Arbeiten zur Ursachen- und/oder Therapieforschung bei neurologischen und/oder psychiatrischen Erkrankungen geleistet haben und im Jahr der Preisverleihung nicht älter als 45 Jahre sind.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abteilung Neuropädiatrie
Priv.-Doz. Dr. Hendrik Rosewich
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-66210
hendrik.rosewich@med.uni-goettingen.de



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