Presseinformationen

Presseinformation Nr. 214 vom 11. Dezember 2015

Nachruf für Universitätsprofessor Dr. Wolfgang Engel

Ehemaliger Ordinarius für Humangenetik und Direktor des Instituts für Humangenetik der UMG ist im Alter von 75 Jahren gestorben.


Engel-Wolfgang-Prof

(umg) Universitätsprofessor Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang Engel, langjähriger Direktor des Instituts für Humangenetik der Universitätsmedizin Göttingen, ist am 7. Dezember 2015 im Alter von 75 Jahren gestorben. Professor Engel gehörte der Medizinischen Fakultät seit 1977 an. Als Lehrstuhlinhaber für Humangenetik leitete er das Institut für Humangenetik noch über seine Emeritierung hinaus bis September 2014. Professor Engel hat die Geschicke und Wege der Medizinischen Fakultät über mehrere Jahrzehnte als Mitglied im Fakultätsrat mit großem Engagement begleitet und mitgestaltet. Zweieinhalb Amtsperioden war er Dekan und hat in dieser Zeit einen maßgeblichen Strukturwandel der medizinischen Fakultät eingeleitet. Zudem war er in zahlreichen Kommissionen und Gremien der Fakultät tätig. In Anerkennung seines persönlichen Engagements für die wissenschaftliche Ausbildung von 24 mongolischen Studenten erhielt er im Jahr 2008 die Ehrendoktorwürde der Nationaluniversität der Mongolei in Ulan-Baatar.

Die Universitätsmedizin Göttingen trauert um einen großen Humangenetiker, einen engagierten akademischen Lehrer und eine international anerkannte und vielseitige Forscherpersönlichkeit. Die Universitätsmedizin Göttingen wird sein Andenken bewahren.

Prof. Dr. Wolfgang Engel wurde am 18. November 1940 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er studierte Humanmedizin in Heidelberg sowie Humanmedizin und Psychologie in Freiburg im Breisgau. Nach dem Staatsexamen im Jahr 1965 und der Promotion 1967 war er zunächst als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Freiburg tätig. Die Habilitation mit der Lehrbefugnis für Humangenetik folgte 1974. Seine Arbeit zum Thema „Modellbeispiele für differentielle Genaktivität in der Säugerentwicklung“ wurde gefördert mit einem Habilitanden-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1977 nahm Prof. Dr. Engel den Ruf auf den Lehrstuhl für Humangenetik nach Göttingen an und übernahm ein Jahr darauf die Leitung des Instituts für Humangenetik der Universitätsmedizin Göttingen in der Nachfolge von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Emil Becker.   

WISSENSCHAFTLICHE UND KLINISCHE SCHWERPUNKTE

Das wissenschaftliche Werk von Prof. Engel umfasst weit über 400 Beiträge in Journalen und Fachbüchern zu Fragen der klinischen Genetik, der Populationsgenetik, der molekularen Evolution und besonders der Entwicklungsgenetik. Schwerpunkte lagen dabei auf der molekulargenetischen Analyse der männlichen Keimzellentwicklung und der Erforschung von Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit. Schon früh hat Prof. Engel den Nutzen von knock-out- und trans-genen Mäusen für die Entwicklungsgenetik erkannt. Als Initiator und Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Molekulare Genetik morphoregulatorischer Prozesse“ (SFB 271) gelang es ihm in den Jahren 1994 bis 2002, die Forschung im Bereich der Entwicklungsbiologie am Campus Göttingen stärker zu vernetzen und zu schärfen. Mit Forschungsergebnissen zur Entwicklung von induzierten pluripotenten Stammzellen aus spermatogonialen Stammzellen erlangten Prof. Engel und sein Team im Jahr 2006 mit einer in dem Fachmagazin „Nature“ publizierten Arbeit internationale Aufmerksamkeit. Ein weiterer wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf der Suche nach Grundlagen für geeignete therapeutische Strategien für neurologische und kardiovaskuläre Erkrankungen. Darüber hinaus befasste sich Prof. Engel mit der Erforschung der molekularen und zellulären Grundlagen zur Entstehung von Krebs, insbesondere von Prostatakrebs, Brustkrebs und Darmkrebs.

In der Krankenversorgung konzentrierten sich die Aktivitäten des Instituts für Humangenetik unter der Leitung von Prof. Engel besonders während der 1970er und 1980er Jahre auf die genetische vorgeburtliche Beratung von betroffenen Familien. Hier setzte Prof. Engel schon früh und konsequent auf die Einführung der DNA-Diagnostik und die Umsetzung einer neuen Kultur der genetischen Beratung. Er förderte die Erarbeitung von gentechnischen Methoden für die pränatale und postnatale Diagnostik von Erbkrankheiten. Bis zuletzt ist Prof. Engel auch in der Krankenversorgung innovativ geblieben. Er verfolgte fächerübergreifende Ansätze, so z.B. mit einer interdisziplinären Brustkrebsrisikosprechstunde und der Wegbereitung für ein Darmkrebszentrum.

Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde Prof. Engel mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er unter anderem 1979 den Hans-Nachtsheim Preis der Gesellschaft für Anthropologie und Humangenetik, 1988 den Eduard-Grosse-Senior Preis der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft sowie 1993 den Forschungspreis der Werner G. Gehring Stiftung für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin und Fortpflanzungsbiologie. Seit 1990 war er Ehrenmitglied der Gesellschaft für Medizinische Genetik der Tschechoslowakei. Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) ehrte Prof. Engel im April 2015 mit ihrer Ehrenmedaille in Anerkennung für sein großes wissenschaftliches Lebenswerk.

Dem akademischen Lehrer Prof. Engel war die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein großes Anliegen. Persönlich engagierte er sich insbesondere dafür, junge Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen aus dem Ausland an seinem Institut zu promovieren. Unter seiner Leitung sind 160 Diplom- und Masterarbeiten sowie 290 Dissertationen in Biologie und Medizin entstanden, 18 Wissenschaftler und 4 Wissenschaftlerinnen haben sich habilitiert.

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