Presseinformationen

Presseinformation Nr. 164 vom 08. Oktober 2015

Akademie für Ethik in der Medizin verleiht Nachwuchspreis 2015 an Schweizer Ethikerin

Nachwuchspreis der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) an Janine Graf-Wäspe. Beitrag über die Legitimität von Schein-Elementen in der Betreuung von Menschen mit Demenz ausgezeichnet.


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Janine Graf-Wäspe. Foto: privat


(umg) Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) hat die Schweizer Ethikerin Janine Graf-Wäspe mit dem AEM-Nachwuchspreis 2015 ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die AEM ihre Arbeit über die Legitimität des Einsatzes von Schein-Elementen in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Der Nachwuchspreis der AEM wurde im Rahmen der Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin am 25. September 2015 in Frankfurt am Main verliehen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Die Anzahl an Menschen mit einer Demenzerkrankung nimmt stetig zu. Knappe Pflegeressourcen und Kostendruck verschärfen die schwierige Frage nach dem richtigen Umgang mit demenzerkrankten Menschen. Oft sind diese nicht mehr dazu in der Lage, kognitiv zwischen Realität und Illusion zu unterscheiden. Neue Betreuungsformen, wie virtuelle Zugfahrten oder nicht bediente Bushaltestellen, kommen in der Unterbringung und Betreuung von Menschen mit Demenz vermehrt zum Einsatz. Ziel des Einsatzes solcher sogenannter „Schein-Elemente“ soll es sein, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz positiv zu beeinflussen. Dies führt zu neuen Fragen: Ist die Verwendung solcher Schein-Elemente moralisch zulässig? Rechtfertigt der positive Effekt auf die Lebensqualität die Täuschung von Menschen mit Demenz? Oder ist das Vorleben einer falschen Realität als Würdeverletzung zu verurteilen?

DER BEITRAG: THE REAL TRUMAN SHOW? ÜBER DIE LEGITIMITÄT VON SCHEIN-ELEMENTEN IN DER BETREUUNG VON MENSCHEN MIT DEMENZ

Zu diesen Fragen hat Janine Graf-Wäspe im Rahmen ihrer Masterarbeit einen Beurteilungsvorschlag sowie Empfehlungen für Institutionen erarbeitet, die Schein-Elemente einsetzen wollen. Dazu zeigt sie zunächst Charakteristika von Schein-Elementen und deren Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit Demenz auf. Sie betrachtet die damit einhergehende Täuschung aus deontologischer und utilitaristischer Perspektive. Ihr Beitrag betont die Motivation, mit welcher Schein-Elemente bei der Betreuung von Menschen mit Demenz eingesetzt werden: Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine in Kauf genommene Irreführung, beispielsweise durch eine nicht bediente Bushaltestelle, ein moralisch zulässiges Mittel ist, um Not, Leiden und Stress im Betreuungsalltag von Demenzerkrankten zu vermindern. Von intendierter Täuschung oder bewussten Lügen sollte jedoch abgesehen werden.

DIE PREISTRÄGERIN

Janine Graf-Wäspe hat zunächst eine kaufmännische Lehre sowie ein berufsbegleitendes Studium der Betriebsökonomie in der Schweiz absolviert. Im Anschluss war sie in verschiedenen Einrichtungen der Alterspflege in der Region Zürich im administrativen Bereich tätig: Im Zeitraum von 2011 bis 2015 war sie in einem Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz verantwortliche Bewohneradministratorin sowie Leiterin des Bereichs Administration. Zusätzlich belegte sie 2013 an der Universität Zürich den Studiengang Advanced Studies in Applied Ethics, den sie 2015 erfolgreich abschloss. Der ausgezeichnete Beitrag „The real Truman Show? Über die Legitimität von Schein-Elementen in der Betreuung von Menschen mit Demenz.“ ist im Rahmen ihrer Masterarbeit entstanden.

Die Akademie für Ethik in der Medizin ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle Fachgesellschaft für Medizinethik. Sie fördert den öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs über ethische Fragen in der Medizin, den Heilberufen und im Gesundheitswesen. Der Nachwuchspreis der AEM ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich vergeben. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Gebiet der Ethik in der Medizin.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (AEM)
Prof. Dr. Alfred Simon
Telefon 0551 / 39-9680
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
asimon1@gwdg.de
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