Presseinformationen

Presseinformation Nr. 159 vom 30. September 2015

Forschungspreis für junge Krebsforscherin der UMG

Erstmals verliehen: Lore-Zech-Preis der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) würdigt wissenschaftliche Arbeiten zur Tumor(zyto)genetik. Forscherin der UMG ausgezeichnet. 1.000 Euro Preisgeld.


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Erstmals Lore-Zech-Preis der
Deutschen Gesellschaft für Human-
genetik verliehen: (v.l.) Preisträgerin
Dr. Friederike Braulke. Prof. Dr. Christa
Fonatsch überreichte die Auszeich-
nung. Foto: GfH/Scholz


(umg) Dr. Friederike Braulke, Funktionsoberärztin in der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist von der Deut-schen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) mit dem „Lore-Zech-Preis“ ausgezeichnet worden. Die UMG-Ärztin erhielt die Auszeichnung für eine wissenschaftliche Arbeit zur Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH)-Analyse aus dem peripheren Blut bei Patienten mit Myelodysplastischen Syndrom (MDS).

Die aktuellen Daten zeigen, dass mit dem Verfahren der FISH-Analyse unter Einsatz eines umfangreichen Sondenpanels auch aus dem peripheren (Armvenen-)Blut eine Einschätzung des zytogenetischen Risikos entsprechend internationaler Prognosesys-teme (IPSS und IPSS-R) möglich ist. Mit Hilfe dieser Methode können nun auch die MDS-Patienten, bei denen kein Knochenmarkblut zur zytogenetischen Diagnostik zu Verfügung steht, nach internationalen Prognosesystemen klassifiziert, so einer zytogenetischen und prognostischen Risikogruppe zugeordnet und entsprechend individuell beraten werden.

Der „Lore-Zech-Preis“ wurde in diesem Jahr 2015 erstmals vergeben und ist mit 1.000 Euro dotiert. Mit dem Preis würdigt die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik wissenschaftliche Arbeiten zur Tumor(zyto)genetik. Die Verleihung fand im Rahmen einer Tumorgenetischen Arbeitstagung der GfH in Volpriehausen Ende Mai 2015 durch die renommierte Humangenetikerin Prof. Dr. Christa Fonatsch aus Wien statt.

Originalpublikation: Validation of cytogenetic risk groups according to International Prognostic Scoring Systems by peripheral blood CD34+FISH: Results from a German diagnostic study in comparison with an international control group. Friederike Braulke, Uwe Platzbecker, Catharina Müller-Thomas, Katharina Götze, Ulrich Germing, Tim H. Brümmendorf, Florian Nolte, Wolf-Karsten Hofmann, Aristoteles A. N. Giagounidis, Michael Lübbert, Peter L. Greenberg, John M. Bennett, Francesc Solé, Mar Mallo, Marilyn L. Slovak, Kazuma Ohyashiki, Michelle M. Le Beau, Heinz Tüchler, Michael Pfeilstöcker, Thomas Nösslinger, Barbara Hildebrandt, Katayoon Shirneshan, Carlo Aul, Reinhard Stauder, Wolfgang R. Sperr, Peter Valent, Christa Fonatsch, Lorenz Trümper, Detlef Haase and Julie Schanz. Haematologica. 2015 Feb;100(2):205-13

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind erworbene heterogene Stammzellerkrankungen. Sie führen zu einer Verringerung der Blutzellreihen (peripheren Zytopenien) und sind mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer akuten myeloischen Leukämie verbunden. In 50 bis 80 Prozent der Fälle sind für die Erkrankung typische Chromosomenveränderungen im Knochenmark mittels klassischer Chromosomenbänderungsanalyse nachweisbar. Viele dieser chromosomalen Veränderungen sind auch mittels FISH (Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung) zu entdecken.

Internationale Prognosesysteme (IPSS und IPSS-R) nutzen die Anzahl und Tiefe der Zytopenien, den Knochenmarksblastenanteil sowie die Anzahl und Art der chromosomalen Veränderungen, um das individuelle Risiko bezüglich des Gesamtüberlebens und des Leukämie-freien-Überlebens zu berechnen. Bei bis zu 20 Prozent der Patienten ist bei Erstdiagnose eine solche zytogenetische Untersuchung aus dem Knochenmark nicht möglich, da kein flüssiges Knochenmarkblut zu gewinnen ist. Für die-se Patienten konnte bislang keine Risikoklassifikation erfolgen.

„Die Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung (FISH)-Analyse kann bei Einsatz geeigneter Sonden die meisten der MDS-typischen Chromosomenanomalien erfassen“, sagt Dr. Friederike Braulke. In ihrer Arbeit kommt sie zu dem Schluss: „Die FISH-Analyse aus dem peripheren Blut soll und kann die Chromosomenbänderungsanalyse aus dem Knochenmark nicht ersetzen. Unsere Daten zeigen aber, dass die FISH-Analyse auch aus dem peripheren Blut verlässliche zytogenetische Informationen liefert und für die Risikoberechnung nach international anerkannten Prognosesystemen genutzt werden kann.“

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie
Dr. Friederike Braulke
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Fax 0551 / 39-14130
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