Presseinformationen

Presseinformation Nr. 116 vom 03. Juli 2015

Patientenverfügungen und Demenz

Die Medizinethikerin Karin Jongsma diskutiert die Bedeutung von Patientenverfü-gungen von Demenzkranken. Öffentlicher Vortrag mit anschließender Diskussion. Freitag, 10. Juli 2015, 13:00 bis 14:30 Uhr, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin


(umg) Patienten mit einer Demenzerkrankung äußern nicht selten Vorlieben, die mit ihren früheren Wünschen nicht übereinstimmen oder diesen sogar widersprechen. Die Art und Weise, wie wir diese Diskrepanz zwischen früheren und aktuellen Wünschen verstehen, wirkt sich maßgeblich auf unseren Umgang mit Patientenverfügungen Demenzkranker aus. So argumentieren einige Bioethiker und Gerontologen z.B., dass auch Demenzpatienten ihre Erwartungen, Sichtweisen und Bewertungen mit Blick auf ihr Leben ändern können („response shift“) und damit zu neuen Einstellungen gelangen. Aus dieser Perspektive betrachtet erscheint dann die Wirksamkeit von Patientenverfügungen fraglich, die vor Krankheitsbeginn verfasst wurden.

Öffentlicher Vortrag
„Advance Directives, Dementia and the Implausibility of Response Shifts“
Karin Jongsma, MSc
Freitag, 10. Juli 2015, 13:00 bis 14:30 Uhr
Seminarraum, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der UMG
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
EINTRITT FREI

Nicht einverstanden mit der These eines „response shift“ als Erklärungsmodell für die Diskrepanz zwischen früheren und aktuellen Wünschen bei Demenzkranken ist die niederländische Medizinethikerin Karin Jongsma. In ihrem Vortrag „Advance Directives, Dementia and the Implausibility of Response Shifts“ stellt sie die These in Frage: Zum einen wird der Begriff „response shift“ aus ihrer Sicht ungenau verwendet; zum anderen ist er als Modell gänzlich ungeeignet, um zu erfassen, was Demenzpatienten widerfährt. Vor diesem Hintergrund entwickelt Jongsma einen alternativen Ansatz, um die veränder-ten Wünsche von Demenzpatienten zu erklären. Dies kann dazu beitragen, Patientenverfügungen von Demenzkranken im Kontext von Pflege und Forschung ernst zu nehmen.

Der Vortrag findet statt am Freitag, dem 10. Juli 2015, um 13:00 Uhr im Seminarraum des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin (Direktorin: Prof. Dr. Claudia Wiesemann) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Humboldtallee 36. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin. Die Organisation liegt bei Dr. Katharina Beier vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin.

Karin Jongsma verfügt über einen Bachelorabschluss in Gesundheitswissenschaften und einen Masterabschluss in “Management Policy Analysis and Entrepreneurship in Health and Life Sciences“ von der Freien Universität Amsterdam. Während ihres Masterstudiums hat sie ein Auslandssemester in Innsbruck absolviert. Seit September 2011 ist sie Promotionsstudentin am Institut für Medizinische Ethik und Philosophie am Erasmus Medical Center in Rotterdam. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit Fragen der informierten Zustimmung und mit Patientenverfügungen im Kontext der Demenzforschung.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Dr. Katharina Beier, Telefon 0551 / 39-4184
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
katharina.beier@medizin.uni-goettingen.de



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