Presseinformationen

Presseinformation Nr. 111 vom 01. Juli 2015

Große Hitze gefährdet die Gesundheit. Was tun?

UMG-Nierenexperte Prof. Dr. Gerhard A. Müller, Direktor der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, nennt Verhaltenstipps bei großer Hitze.


Mueller-Gerhard-Anton-Prof_PIG_inter.jpg
Prof. Dr. Gerhard A. Müller,
Direktor der Klinik für Nephrologie
und Rheumatologie der UMG.
Foto: privat


(umg) Die erste Hitzewelle mit Spitzentemperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius erreicht Göttingen und Niedersachsen. Für viele Menschen ist das ein freudiges Sommer- und Ferienereignis. Doch was des einen Freud‘, ist des anderen Leid: Bei solchen extremen Temperaturen steigt die Sterberate spürbar.

„Ein Hauptproblem ist das Trinkverhalten. Wichtig ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit“, sagt Prof. Dr. Gerhard A. Müller, Direktor der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). In der Hitze müssen die Nieren mehr arbeiten als sonst. Sie konzentrieren den Harn, um Flüssigkeit zurückzuhalten, die unter anderem durch das Schwitzen verloren geht. Für die Nieren bedeutet das „Schwerstarbeit“, denn es handelt sich dabei um energiereiche Prozesse. Bei hohen Außentemperaturen verliert der Körper über das Schwitzen große Mengen von Flüssigkeit sowie die wesentlichen Salze.

Häufig treten Kreislaufstörungen bis hin zum Zusammenbruch auf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Kinder, vor allem Kleinkinder. Dieser Personenkreis kann seinen Flüssigkeits- und Salzhaushalt oftmals nicht richtig kontrollieren. Grund dafür ist bei älteren Menschen im Wesentlichen ein gestörtes Trinkverhalten, denn der Durstreiz lässt mit zunehmendem Alter nach. Ältere Menschen müssen immer wieder angehalten werden zu trinken. Auch Menschen mit einer eingeschränkten Nierenfunktion, z.B. wegen eines Diabetes mellitus oder eines hohen Blutdrucks, sind ge-fährdet. Es kann zu bedrohlichen Zuständen, bis hin zum Bewusstseinsverlust oder Tod, kommen.

Welche Symptome treten auf? Wie kann man die Gefährdung erkennen?
Oft klagen die Betroffenen über Unwohlsein, Brechreize, Kopfschmerzen, Verwirrtheit bis hin zu psychotischen Reaktionen sowie über Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Anzeichen sind häufig auch eine ausgeprägte Trockenheit des Mundes sowie zäher Speichel. Wenn der Körper stark schwitzt und eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit fehlt, verliert er Flüssigkeit. Beide Nieren müssen dann besonders viel arbeiten. Sie versuchen, genügend Flüssigkeit zurückzuhalten, und konzentrieren den Urin. Dieser verändert dadurch seine Farbe von einem hellgelben Farbton zu einem dunkelgelben Farbton. Farbveränderungen des Urins können also ein Hinweis für fehlende oder nicht zureichende Flüssigkeitszufuhr sein. Ein weiteres sichtbares Zeichen sind stehende Hautfalten und eine trockene Zunge.

Was ist zu tun? Wie können Sie sich schützen?
Sportliche Aktivitäten und schwerere Arbeiten in der Hitze am besten meiden. Im Freien sollte eine Kopfbedeckung getragen und die Haut mit Sonnenschutzcreme ausreichend eingecremt werden. Die pralle Sonneneinstrahlung sollte gemieden wer-den. Kinder sollten sich nicht in der vollen Sonne aufhalten oder spielen. Auf keinen Fall sollte man ohne vorherige Dusche ins kalte Wasserbad springen. Am besten schattige Plätze aufsuchen, den Ventilator benützen, um Luftströme zu erzeugen.

Wieviel Flüssigkeit soll getrunken werden?
Die Trinkmenge sollte zwischen zwei bis zweieinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag liegen. Im Allgemeinen sollten etwa 30 bis 40 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körperge-wicht zugeführt werden; für eine 70 Kilogramm schwere Person sind das etwa zwei bis 2,8 Liter. Wer viel Obst oder Suppe ist, sollte die Trinkmenge entsprechend anpassen. Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen fragen am besten ihren Arzt / ihre Ärztin.

Welche Getränke sind erlaubt?
Generell sollten alkoholhaltige Getränke gemieden werden. Erlaubt sind Trinkwasser, vor allem Leitungswasser, ungesüßter Tee, Kaffee aber auch milchhaltige Getränke sowie Fruchtsäfte. Mineralwässer sind ebenfalls zulässig, denn durch das vermehrte Schwitzen gehen auch Salze verloren, die für die Aufrechterhaltung des Kreislaufes wichtig sind.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Nephrologie und Rheumatologie
Prof. Dr. Gerhard A. Müller
Telefon 0551 / 39-66331
nephrorheuma@med.uni-goettingen.de



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


Übersicht