Presseinformationen

Presseinformation Nr. 106 vom 19. Juni 2015

Nachruf auf Universitätsprofessor Dr. Joachim Richter

Ehemaliger Direktor der Abteilung Elektronenmikroskopie im Zentrum Anatomie der Universitätsmedizin Göttingen im Alter von 74 Jahren gestorben.


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Prof. Dr. Joachim Richter. Foto: umg


(umg) Universitätsprofessor Dr. med. Joachim Richter, langjähriger Leiter der ehemaligen Abteilung Elektronenmikroskopie im Zentrum Anatomie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist am 13. Juni 2015 nach längerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. Professor Richter war seit 1980 am Universitätsklinikum Göttingen und der Medizinischen Fakultät tätig. Als Inhaber einer Universitätsprofessur für Anatomie leitete er die damals neu eingerichtete Abteilung Elektronenmikroskopie von 1980 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2006. Während dieser Zeit baute er eine besondere Expertise in modernen Techniken der Licht- und Elektronenmikroskopie, einschließlich der Elektronenspektroskopie und der Hochdruckgefrierverfahren auf und machte sie für den Forschungsstandort Göttingen nutzbar. Seine Expertise und die exzellente Geräteausstattung seiner Abteilung waren in den 1990er Jahren wesentliche Stütze mehrerer Projekte im Göttinger Sonderforschungsbereich „Organ-protektion“ (SFB 330). Prof. Richter war in zahlreichen Gremien und Kommissionen der Medizinischen Fakultät aktiv, so unter anderem von 1997 bis 1999 als Mitglied im Fakultätsrat und lange Jahre bis weit über die Pensionierung hinaus im Promotionsausschuss. Sein besonderes persönliches Engagement galt dem Unterricht von Studierenden der Human- und der Zahnmedizin in allen drei Sparten der Anatomie (makroskopischen Anatomie, mikroskopische Anatomie und Embryologie). Dabei bewies er besonderes Geschick bei der Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Anatomie, so dass mehrere seiner Schüler heute Universitätsprofessuren für Anatomie innehaben.

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) trauert um einen international anerkannten Kenner der funktionellen Ultrastruktur biologischer Gewebe und engagierten anatomischen Lehrer und Forscher. Die Universitätsmedizin Göttingen wird sein Andenken bewahren.

Prof. Dr. Joachim Richter wurde am 24. April 1941 in Eger (dem heutigen Cheb/Tschechien) geboren. Er studierte Humanmedizin in Frankfurt/Main und wurde hier 1969 mit einer Dissertation über ein vergleichend-anatomisches Thema aus dem Bereich der funktionellen Morphologie des Bewegungsapparates promoviert. Im April 1970 erlangte er die Approbation als Arzt. Danach richtete Prof. Richter seine akademische Laufbahn darauf aus, Anatom zu werden. Bis zum Ruf nach Göttingen war er am 2. Lehrstuhl der Dr. Senckenbergischen Anatomie der Universität Frankfurt tätig. Als wissenschaftlicher Angestellter vertiefte er seine Lehrfähigkeiten in den Präparierkursen für Mediziner, in den Kursen der mikroskopischen Anatomie und über Lehraufträge für „Anatomie für Pharmazeuten“. Im Jahr 1972 Jahre baute er in Frankfurt sein erstes eigenes elektronenmikroskopisches Labor auf. 1973 erfolgte die Ernennung zum Universitätsprofessor und ein Jahr darauf wurde er zum Stellvertreter des geschäftsführenden Direktors des Instituts. Der Ruf nach Göttingen war damals verbunden mit dem Aufbau einer eigenen, komplett neu einzurichtenden Abteilung für Elektronenmikroskopie im Zentrum Anatomie. Prof. Richter nahm den Ruf an und wurde im Juni des Jahres 1980 zum Universitätsprofessor für Anatomie ernannt, im November folgte die Bestellung zum Vorsteher der Abteilung Elektronenmikroskopie.

FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE

Während seiner Amtszeit als Leiter der Abteilung Elektronenmikroskopie an der Universitätsmedizin Göttingen befasste sich Prof. Richter vor allem mit Fragen der funktionellen Mikroanatomie der Zelle. Schwerpunkte lagen dabei auf Untersuchungen zur Ultrastruktur der Lunge und des Herzens unter physiologischen und pathologischen Bedingungen. Konkret interessierten ihn unter anderem, wie das Surfactantsystem der Lunge aufgebaut ist und gebildet wird, und wie dieser wichtige Schutzfilm der Lunge nach Transplantationen möglichst gut erhalten werden kann. Methodisch wurden vor allem licht- und elektronenmikroskopische (EM) Techniken einschließlich energiefilternder Transmissionselektronenmikroskopie (EFTEM), Immun-EM und ultraschnelle Gefriertechniken eingesetzt und eigenhändig weiterentwickelt, die eine möglichst lebensnahe Untersuchung von subzellulären Strukturen ermöglichen. Ein weiterer besonderer Schwerpunkt stellte die räumliche Anordnung und Quantifizierung der strukturellen Befunde mit stereologischen Methoden dar. In der Lehre wurden die Mitarbeiter der Abteilung Elektronenmikroskopie unter der thematischen und didaktischen Anleitung von Prof. Richter an Unterrichtsveranstaltungen zu allen Teilaspekten der Anatomie beteiligt.

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