Presseinformationen

Presseinformation Nr. 080 vom 30. April 2015

Neue Informationstechnologien für die Notfallversorgung

Intelligente Assistenzsysteme und personalisierte Lernumgebungen könnten künftig Notfall- und Rettungsdienst-Personal unterstützen. BMBF fördert Verbundprojekt unter Leitung der Interdisziplinären Notaufnahme der UMG mit 1,3 Millionen Euro.


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Interdisziplinäre Notaufnahme der UMG. Foto: umg/rschmidt


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Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung Interdisziplinäre Notaufnahme, Universi-tätsmedizin Göttingen. Foto: privat.


(umg) Für die Notfallversorgung haben sich national und international zunehmend sog. Interdisziplinäre Notaufnahmen (INA) etabliert. Die Tätigkeit verschiedener Berufsgruppen mit unterschiedlicher beruflicher Expertise sowie hoher Zeit- und Kostendruck stellen jedoch in der Notfallmedizin höchste Anforderungen an die Qualifikation des dort tätigen ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals. Insbesondere Rettungsdienstmitarbeiter und Notfallpflegekräfte müssen sich schnell auf unterschiedliche Situationen vor Ort einstellen können. Sie haben vor Ort mit den unterschiedlichsten Informationssystemen und medizin-technischen Geräten zu tun. Dabei muss die Kommunikation im Notfall mit Ärzten ver-schiedener Fachgebiete schnell und reibungslos funktionieren. Unterstützung im konkreten Notfall und stetige, berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung könnten künftig durch neue Informationstechnologien (IT) über Internet und per Mausklick möglich werden.

Das Projekt „Intelligente Assistenzdienste und personalisierte Lernumgebungen zur Wissens- und Handlungsunterstützung in der Interdisziplinären Notaufnahme (A.L.I.N.A.)“ will für einen solchen Bedarf innovative IT-Lösungen entwickeln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,3 Millionen Euro für drei Jahre seit November 2014 gefördert. Die Projektkoordination liegt bei Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung der Interdisziplinären Notaufnahme (INA) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Die Durchführung des Projekts erfolgt in Kooperation mit Prof. Dr. Otto Rienhoff, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik der UMG. Verbundpartner im Projekt sind die Klinik für Unfallchirurgie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg (Direktor: Prof. Dr. Felix Walcher), das Centre for E-Learning Technology (CelTech) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin (Direktor: Prof. Dr. Christoph Igel) und das GECKO-Institut der Hochschule Heilbronn (Prof. Dr. Martin Haag, Leiter des Forschungs- und Innovationslabors „eLearning in Medicine“). Darüber hinaus sind sechs Fachgesellschaften (Dt. Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF), Dt. Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), Dt. Berufsverband Rettungsdienst (DBRD), Dt. Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), Dt. Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin u. Notfallmedizin (DIVI), Dt. Gesellschaft für Medinische Informatik, Biometrie u. Epidemiologie, (GMDS)) als assoziierte Partner in dem Verbundprojekt beteiligt. Innerhalb der UMG sind in das Projekt eingebunden die Klinik für Anästhesiologie (Direktor: Prof. Dr. Michael Quintel), der Geschäftsbereich Aus-, Fort- und Weiterbildung (Leitung: Elke Hattenbach) und die Geschäftseinheit Pflegedienst (Geschäftsführender Leiter: Norbert Erichsen).

Ziel des A.L.I.N.A.-Projektes ist es, intelligente Assistenzdienste vor allem für Notfallpflegekräfte und Mitarbeiter des Rettungsdienstes zu entwickeln, die über Internet zur Verfügung stehen. Die Dienste sollen das Notfall- und Rettungsdienstpersonal bedarfsorientiert „in situ“, d.h. vor Ort in der konkreten Notfallsituation, in der präklinischen und klinischen Phase der Notfallversorgung unterstützen. Darüber hinaus werden personalisierte Lernumgebungen entwickelt. Sie sollen bei der Vermittlung theoretischer und klinisch-praktischer Grundlagen orts- und zeitunabhängig unterstützen, so z.B. bei der Erkennung von notfallmedizinischen Leitsymptomen, bei der Bedienung medizintechnischer Geräte, bei der Durchführung notfalldiagnostischer oder -therapeutischer Erstmaßnahmen.

„Die Software-Lösungen werden zunächst prototypische Modelle sein. Ein erster Probelauf erfolgt dann in ausgewählten Kliniken in Zusammenarbeit mit Notfallpflegekräften und Ret-tungsdienstmitarbeitern sowie erfahrenen Ärzten“, sagt Prof. Dr. Sabine Blaschke, UMG. „Die Einbindung der beteiligten Fachgesellschaften ist dabei u.a. für die Qualitätssicherung von großer Bedeutung“, so Prof. Dr. Felix Walcher, Universitätsklinik Magdeburg. „Nach dieser Erprobungsphase bei den Zielgruppen hoffen wir IT-Lösungen entwickelt zu haben, die den aktuellen Bedarf in der Notfallversorgung widerspiegeln“, sagt Prof. Dr. Igel, DFKI, Berlin. „Die berufliche Qualifikation der Rettungsdienstmitarbeiter und der Notfallpflegekräfte möchten wir durch den Einsatz dieser neuen IT-Applikationen berufsbegleitend unterstützen und verbessern“, so Prof. Dr. Martin Haag, Hochschule Heilbronn. Auch Überlegungen zur Vermarktung dieser Idee sind Bestandteil des Projekts. Es sollen geeignete Geschäftsmodelle zur langfristigen Verwertung der Projektergebnisse erarbeitet werden.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Interdisziplinäre Notaufnahme (INA)
Ärztliche Leitung
Prof. Dr. Sabine Blaschke
Telefon 0551 / 39-8910, sblasch@gwdg.de



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