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Presseinformation Nr. 076 vom 29. April 2015

Neue Multiple Sklerose-Medikamente schneller entwickeln

Zwei Experten der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten in internationalem Forschungscluster mit. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung fördert.


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Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Institut für Neuropathologie, UMG. Foto: privat


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Prof. Dr. Mikael Simons, Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, Göttingen und Klinik für Neurologie, UMG. Foto: privat


(umg/hertie-stiftung/mpg) Zwei Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) arbeiten in einem internationalen Forschungsprojekt mit, das ein Ziel hat: schneller als bisher zu Medikamenten zu kommen, die Patienten mit Multiple Sklerose (MS) helfen können. Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Institut für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Prof. Dr. Mikael Simons, Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin Göttingen und Klinik für Neurologie der UMG, bringen ihr Fachwissen in das Projekt ein. Beide sind Experten für Fragen zur Wiederherstellung der Nervenschutzhülle Myelin. Gefördert wird ihre Forschung durch die gemeinnützige Hertie-Stiftung zunächst für ein Jahr mit jeweils 100.000 Euro.

Momentan dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments bis zu 40 Jahre. Um die Entwicklungsphasen zu beschleunigen, ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entlang der Prozesskette notwendig. Für eine frühzeitige und stärkere Vernetzung der Grundlagenforschung und die praktische Anwendung neuer Forschungserkenntnisse durch die Pharmaindustrie setzt sich ein internationales Kooperationsprojekt ein. In einem Teilgebiet der Multiple-Sklerose-Forschung – der Wiederherstellung der Nervenschutzhülle Myelin – arbeiten Wissenschaftler bereits in vernetzter Form zusammen. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Hertie-Stiftung gemeinsam mit der amerikanischen Myelin Repair Foundation (MRF).

Die Göttinger Wissenschaftler gehören zu insgesamt drei deutschen Experten, die aufgrund ihrer Expertise in Spezialgebieten der Multiple-Sklerose-Forschung von der Hertie-Stiftung und der MRF ausgewählt wurden und gefördert werden.

Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler ist seit 2002 als Neuropathologin an der UMG tätig. Hier erforscht sie die Mechanismen, die bei verschiedenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems zur Schädigung der Markscheiden führen. Das geförderte Projekt beschäftigt sich vor allem mit den Schädigungsabläufen in frühen Stadien der Multiplen Sklerose. Neue Erkenntnisse könnten für die Entwicklung von Therapien für die Regeneration der Markscheiden bedeutsam sein. Prof. Stadelmann-Nessler ist Trägerin des Sobek-Nachwuchsforschungspreises für herausragende Beiträge zur Erforschung der Multiplen Sklerose.

Prof. Dr. Mikael Simons arbeitet seit 2004 am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Seit 2007 ist er zusätzlich als klinischer Oberarzt in der Krankenversorgung in der Klinik für Neurologie der UMG tätig. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt im Bereich der Myelin-Biologie und der Neurodegeneration. In dem geförderten Projekt sollen die molekularen Mechanismen der Myelinentstehung entschlüsselt werden, um so neue Therapieansätze zur Remyelinisierung entwickeln zu können. Prof. Simons hat zahlreiche Preise erhalten, darunter den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Beschleunigung in der Entwicklung von Medikamenten bei MS soll dadurch erreicht werden, dass die Wissenschaftler ihr Fachwissen von Anfang an bündeln und besonders eng zusammenarbeiten. Sie tauschen Versuchsprotokolle aus und teilen auch unveröffentlichte Ergebnisse miteinander. Das ist ein Verfahren, das sonst in der Forschung ungewöhnlich ist. Vielversprechende Ergebnisse werden in einem eigenen Labor unter industriellen Bedingungen repliziert. In den USA arbeitet das Forschungscluster der MRF schon seit 2004 in dieser Form. Seither konnten bereits erste Erfolge verbucht werden: Neun US-Patente wurden angemeldet, zwei identifizierte Wirkstoffe werden gerade in klinischen Studien getestet. Ziel ist es, bis zum Jahr 2024 eine Therapie für MS-Betroffene zu entwickeln.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ist eine der größten, weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland. Sie wurde 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und engagiert sich mit ihren Mitarbeitenden und ihrem Vermögen in den Arbeitsgebieten Vorschule und Schule, Hochschule, Beruf und Familie sowie Neurowissenschaften. Als größter privater Förderer der Hirnforschung in Deutschland hat die Stiftung bislang rund 50 Millionen Euro in verschiedene Multiple-Sklerose-Projekte investiert.

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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
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Zelluläre Neurowissenschaften
Prof. Dr. Mikael Simons
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