Presseinformationen

Presseinformation Nr. 020 vom 30. Januar 2015

Bioethische Filmreihe: „Einer flog über das Kuckucksnest“ – Film und Diskussion

Bioethische Filmreihe „Ethics’ Anatomy: Bioethik im Film“: Film und Experten-Diskussion zum Thema „Psychiatrie und Ethik“. Mittwoch, 4. Februar 2015, 18:00 Uhr, Seminarraum, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Humboldtallee 36.


(umg) „Psychiatrie und Ethik“ ist das Thema der zweiten Film- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen der bioethischen Filmreihe „Ethics‘ Anatomy: Bioethik im Film“. In einer Podiumsdiskussion diskutieren Experten aktuelle Aspekte der psychiatrischen Versorgung in ihrer ethischen Dimension sowie im Kontext aktueller rechts- und gesellschaftlicher Entwicklungen. Dabei geht es um die Frage nach dem Krankheitswert sozial abweichenden Verhaltens, der Rolle von Psychiatrie zwischen Heilauftrag und Ordnungsmacht oder der Rechtfertigung von Zwangsmaßnahmen bei psychisch kranken Menschen. Vor der Diskussion wird der Spielfilm „Einer flog über das Kuckucksnest“ aus dem Jahr 1975 gezeigt.

Teilnehmer der Expertendiskussion: Prof. Dr. Jürgen Müller, Leiter des Schwerpunkts Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, und Matthias Koller, vorsitzender Richter am Landgericht Göttingen. Moderiert wird die Diskussion von Prof. Dr. Alfred Simon, Geschäftsführer der Akademie für Ethik in der Medizin.

Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch, dem 4. Februar 2015, um 18:00 Uhr, im Semi-narraum des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Humboldtallee 36, 37073 Göttingen. Die Filmreihe „Ethics‘ Anatomy“ ist eine Veranstaltung des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin der UMG und wird von der UMG gefördert.

FILM UND HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Spielfilm „Einer flog über das Kuckucksnest“ zeigt den Alltag in einer staatlichen Nervenheilanstalt. Dieser gerät durch den unangepassten Neuzugang Randall McMurphy (Jack Nicholson) gehörig durcheinander.

Seit Erscheinen des Films hat sich in der Psychiatrie einiges geändert, zentrale Aspekte wie zum Beispiel die Frage nach der Rechtfertigung von Zwangsmaßnahmen bei psychisch kranken Menschen sind jedoch bis heute aktuell. So ist mit dem deutschen Verfassungsgerichtsbeschluss aus dem Jahr 2011 die medikamentöse Zwangsbehandlung an hohe rechtliche Hürden knüpft. Therapeutisch sinnvolle Behandlungen können in konkreten Fällen nicht mehr genutzt werden. Dabei stellt sich die Frage, ob eine Behandlung gegen den Willen legitim sein könnte, wenn sie im Interesse eines nicht einwilligungsfähigen Betroffenen wäre. Seit dem im Jahr 2012 eingeführten Therapieunterbringungsgesetz wird die Frage nach der legitimen Unterbringung von psychisch nicht schwer kranken, aber hochgefährlichen Straftätern zum Schutz der Öffentlichkeit diskutiert.

Die Filmreihe „Ethics’ Anatomy: Bioethik in Film“ widmet sich in insgesamt acht Vorstellungen im Laufe des Jahres 2015 unterschiedlichen Themen der Bioethik. Auf dem Programm stehen Themen wie Forschungsethik, Intersexualität, Selbstbestimmung am Lebensende, Psychiatrie oder Demenz. Bei jeder Veranstaltung wird ein Spiel- oder Dokumentarfilm gezeigt, im Anschluss daran diskutieren Experten aus der Bioethik und angrenzenden Bereichen. Die Veranstaltungen finden entweder im Universitätsklinikum, im Kino Lumière oder im Seminarraum des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin statt. „Ethics’ Anatomy: Bioethik im Film“ ist die Fortsetzung der Filmreihe „Komplexe Konflikte“, die im Wintersemester 2012/2013 veranstaltet und im Jahr 2013 mit dem Stiftungspreis der Universität Göttingen ausgezeichnet wurde.

BIOETHIK UND DAS KONZEPT DER FILMREIHE „ETHICS’ ANATOMIE“

Alle Medizintechniken betreffen den menschlichen Körper, auch wenn nur wenige direkt in seine Anatomie eingreifen. Die Bioethik setzt sich mit der Bewertung solcher Techniken auseinander. Dabei kommen verschiedene Maßstäbe in den Blick: die individuelle Selbstbestimmung, aber auch das ärztliche Berufsethos sowie gesellschaftliche Risiken. Hier haben bioethische Konflikte eine ganz eigene ‚moralische Anatomie‘, indem sie Für und Wider sorgfältig abwägen. Die Reihe „Ethics’ Anatomy: Bioethik im Film“ will Bioethik für einen gesellschaftlichen Dialog öffnen, der Betroffene, Patienten und alle Interessierten einbezieht.

Aktuelle Informationen finden Sie unter www.ethics-anatomy.uni-goettingen.de

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
Verena Klar, BA, Telefon 0551 / 39-4108, verena.klar@medizin.uni-goettingen.de



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