Presseinformationen

Presseinformation Nr. 011 vom 23. Januar 2015

Helmut-Bauer-Nachwuchspreis 2014 für MS-Forschung verliehen

Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis geht zu gleichen Teilen an vier Nachwuchswissenschaftler: Dr. Tobias Goldmann und Peter Wieghofer aus Freiburg sowie Johanna Breuer und Dr. Nicholas Schwab aus Münster.


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Verleihung des Helmut-Bauer-Nachwuchspreises 2014 an der UMG mit vier Preisträgern: Dr. Tobias Goldmann ( 2.v.l.), Johanna Breuer (3. v.l.), Nicholas Schwab (4.v.r.) und Peter Wieghofer (3.v.r.). Foto: privat


(umg) Bereits zum elften Mal hat die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) den Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose (MS)-Forschung vergeben. Der Preis des Jahres 2014 geht zu gleichen Teilen von jeweils 2.500 Euro an vier Nachwuchswissenschaftler der Neuroimmunologie. Die Preisverleihung fand statt am 21. Januar 2015 während der 24. Multiple-Sklerose-Lecture an der UMG. Veranstalter ist das Institut für Neuropathologie in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie und dem Institut für Multiple-Sklerose-Forschung (IMSF) der UMG. Der Göttinger Helmut-Bauer-Nachwuchspreis ist der höchstdotierte Nachwuchsförderpreis für Multiple Sklerose-Forschung in Deutschland. Das Preisgeld stiftet die Firma Biogen Idec.

„Die Arbeiten der Nachwuchswissenschaftler liefern neue, grundlegende Erkenntnisse, um die Ursachen und Mechanismen der Krankheitsprogression der Multiplen Sklerose besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Direktor des Instituts für Neuropathologie der UMG. „Die Forschungsergebnisse ihrer Arbeiten haben große Bedeutung, um künftige neue Behandlungsansätze zu entwickeln.“ Mit der Prämierung der Arbeit von Dr. Tobias Goldmann und Peter Wieghofer honoriert die Jury Forschungsergebnisse zur Etablierung eines neuen Mausmodells der MS, bei dem spezifisch die hirneigene Immunzelle, die Mikroglia, manipuliert werden kann. Die Arbeit von Johanna Breuer und Dr. Nicholas Schwab wurde prämiert, weil sie zeigen konnten, dass die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV) die Immunantwort beeinflusst und sich somit mögliche neue Therapieoptionen eröffnen.

DIE PREISTRÄGER UND IHRE ARBEITEN

Der 34-jährige Preisträger Dr. Tobias Goldmann und der 29-jährige Doktorand Peter Wieghofer sind derzeit beide als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg tätig. Den Preis erhielten sie für ihre Arbeit zum Thema „A new type of microglia gene targeting shows TAK1 to be pivotal in CNS automimmune inflammation“. Die Studie ist im November 2013 in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ erschienen und entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Leiter des Instituts für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Ziel der prämierten Arbeit war es, ein neues Mausmodell zu entwickeln, mit dessen Hilfe erstmals eine gezielte Manipulation von Zielgenen in nahezu allen hirneigenen Immunzellen (Mikrogliazellen) möglich wird. Mit Hilfe dieses Modells konnten die Forscher zeigen, dass Mikrogliazellen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Entwicklung von Autoimmunkrankheiten des Zentralnervensystems (ZNS) haben. Ihre Analysen ergaben, dass die verringerte Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen oder Signalproteinen (Chemo- und Zytokinen) durch Mikroglia einen deutlich abgemilderten Krankheitsverlauf zur Folge hat.

Originalarbeit: Goldmann T#, Wieghofer P#, Müller PF, Wolf Y, Varol D, Yona S, Brendecke SM, Kierdorf K, Staszewski 0, Datta M, Luedde T, Heikenwalder M, Jung S, Prinz M (2013) A new type of microgliagene targeting shows TAK1 tobe pivotal in CNS autoimmune inflammation. Nat Neurosci. 11:1618-26 (#both authors contributed equally to the work)

Die 29-jährige Preisträgerin Johanna Breuer und der 34-jährige Nachwuchsgruppenleiter Dr. Nicholas Schwab sind derzeit beide als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Neurologischen Klinik der Universität Münster tätig. Den Preis erhielten sie für ihre Arbeit zum Thema „Ultraviolet B light attenuates the systemic immune response in central nervous system autoimmunity“. Die Studie ist im Mai 2014 in der Fachzeitschrift „Annals of Neurology“ erschienen und entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Wiendl, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Münster.

In der prämierten Arbeit haben die beiden Forscher untersucht, welchen Einfluss UVB-Strahlung auf die Entstehung und Entwicklung der Multiplen Sklerose (MS) hat. Außerdem erforschten sie, ob UVB-Strahlung möglicherweise einen Einfluss auf die Häufigkeit von MS nimmt. Bekannt ist: Das Risiko, an MS zu erkranken, steigt mit der geographischen Entfernung vom Äquator an: Für diese geographische Verteilung wird der Umweltfaktor Sonneneinstrahlung (UV-Licht) als Erklärung herangezogen. In ihrer Studie untersuchten Breuer und Schwab, wie immunregulatorische Prozesse, die lokal in der Haut durch UVB-Strahlung ausgelöst werden, die Immuntoleranz im Zentralnervensystem (ZNS) beeinflussen können. Anhand des Tiermodells der MS konnten sie einen immunsuppressiven Effekt durch UVB-Bestrahlung beobachten: Die Behandlung mit niedrigen Dosen führte zu einem verzögerten und schwächeren Verlauf der Erkrankung. Dabei fanden die Forscher auch heraus, dass sich der schützende Effekt des UVB-Lichts verstärkt, wenn eine UVB-Bestrahlung über den Zeitpunkt der Immunisierung hinaus erfolgt. Die Forschungen wurden von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Originalarbeit: Breuer J*, Schwab N*, Schneider-Hohendorf T, Marziniak M, Mohan H, Bhatia U, Gross CC, Clausen BE, Weishaupt C, Luger TA, Meuth SG, Loser K and Wiendl H (2014). Ultraviolet B light attenuates the systemic immune response in central nervous system autoimmunity. Ann Neuro/. 2014 May; 75(5):739-58.

Der Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose-Forschung ist nach dem ehemaligen Direktor der Neurologischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen benannt. Prof. em. Dr. Helmut Bauer war von 1963 bis 1980 an der Neurologischen Klinik tätig. Der Nachwuchspreis würdigt Forschungsarbeiten über die Ursachen und neue Behandlungsstrategien bei Multipler Sklerose. Allen Bewerbungen liegen wissenschaftliche Publikationen in international anerkannten neurowissenschaftlichen Fachzeitschriften zugrunde. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird von der Firma Biogen Idec aus Ismaning gestiftet.

BILDUNTERSCHRIFT: Verleihung des Helmut-Bauer-Nachwuchspreises 2014 an der UMG: (v.l.) Prof. Dr. Wolfgang Brück (Institut für Neuropathologie, UMG), Dr. Tobias Goldmann (Institut für Neuropathologie, Universitätsklinikum Freiburg), Johanna Breuer (Neurologische Klinik der Universität Münster), Prof. Catherine Lubetzki (ICM Brain & Spine Institute, Hôpital Pitié Salpêtrière, Paris), Dr. Nicholas Schwab (Neurologische Klinik der Universität Münster), Peter Wieghofer , (Institut für Neuropathologie, Universitätsklinikum Freiburg), Prof. Dr. Alexander Flügel (Abteilung Neuroimmunologie, UMG) sowie Dr. Matthias Meergans (biogen idec). Foto: privat

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Direktor des Instituts für Neuropathologie
Prof. Dr. Wolfgang Brück, Telefon 0551 / 39-22700
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
neuropat@med.uni-goettingen.de



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