Presseinformationen

Presseinformation Nr. 141 vom 10. Oktober 2014

Akademie für Ethik in der Medizin verleiht Nachwuchspreis 2014 an Freiburger Philosophin

Nachwuchspreis der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) an Dr. Claudia Bozzaro. Studie zum Begriff des Leidens ausgezeichnet.


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Dr. Claudia Bozzaro.
Foto: privat


(umg) Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) hat die Freiburger Philosophin Dr. Claudia Bozzaro mit dem AEM-Nachwuchspreis 2014 ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die AEM ihre Arbeit zum Begriff des Leidens am Beispiel der palliativen Sedierung am Lebensende. In der prämierten Studie hat sich Dr. Bozzarro, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, damit beschäftigt, wie man das Leiden, insbesondere das „unerträgliche, aussichtslose“ Leiden, im medizinischen Kontext besser verstehen und angemessen lindern kann. Der Nachwuchspreis der AEM wurde im Rahmen der Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin am 9. Oktober 2014 in Ulm verliehen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

 Leiden zu vermeiden und zu lindern sind die Grundprinzipien in der Medizin. Die Palliativmedizin setzt daher eine besondere Form der Sedierung ein: die palliative Sedierung. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem bewusstseinsmindernde Medikamente eingesetzt werden. Bei einer so genannten tiefen und kontinuierlichen palliativen Sedierung wird der Patient bis zu seinem Tod in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. Ziel ist es, die Leiden der Patienten zu mindern. Aktuell wird der Leidensbegriff in der Medizin von physischen auf psychoexistenzielle Leiderfahrungen hin ausgeweitet. Dies führt zu neuen Fragen: Sind auch psycho-existentielle Leidenssituationen Grund genug für eine tiefe und anhaltende palliative Sedierung? Wie kann der verantwortliche Arzt dieses nicht messbare subjektive Leiden des Patienten feststellen? Kann unerträgliches Leiden eine endgültige Sedierung schon vor Beginn der eigentlichen Sterbephase rechtfertigen?

Die Studie: Der Leidensbegriff im medizinischen Kontext
Anhand dieser Fragen arbeitet Dr. Claudia Bozzaro in ihrer Studie die theoretischen Grundlagen des Leidensbegriffes in der Medizin heraus. Sie zeigt auf, dass der Leidensbegriff sich in erster Linie durch Subjektivität, Normativität und inhaltliche Undifferenziertheit auszeichnet. Dies führt zu einer Reihe von grundlegenden Unsicherheiten im alltäglichen klinischen Umgang mit dem Begriff „Leiden“. Die Autorin fordert daher eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leidensbegriff. Sie verweist insbesondere darauf, dass der Auftrag der Medizin zur Leidenslindeurng in seiner Reichweite unbedingt geklärt werden muss. Dabei dürfe auch nicht außer Acht gelassen werden, dass Leidenserfahrungen gleichsam ein natürlicher Teil des Lebens sind und man deshalb keine überzogene Ansprüche und Erwartungen absoluter Leidfreiheit an die Medizin herantragen dürfe.

Die Preisträgerin
Dr. Claudia Bozzaro hat Philosophie und Kunstgeschichte in Freiburg und Paris studiert. 2011 wurde sie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg promoviert. Von 2006 bis 2009 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, 2010 wechselte sie an das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin. Dort hat sie u.a. die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Klausurwoche „Schmerz und Leid als normative Konzepte in der Medizin. Ethische, philosophisch-anthropologische, theologische, soziokulturelle Aspekte“ geleitet. In ihrer Forschung befasst sie sich vor allem mit Fragen der Ethik am Lebensende und der Ethik des Alterns, mit Konzepten von Schmerz und Leiden in der Medizin, mit Ethikberatung, Reproduktionsmedizin, Philosophischer Anthropologie, Existenzphilosophie und der Philosophie der Zeit.

Die Akademie für Ethik in der Medizin ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle Fachgesellschaft für Medizinethik. Sie fördert den öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs über ethische Fragen in der Medizin, den Heilberufen und im Gesundheitswesen. Der Nachwuchspreis der AEM ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich vergeben. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Gebiet der Ethik in der Medizin.

Weitere Informationen:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (AEM)
Priv.-Doz. Dr. Alfred Simon
Telefon 0551 / 39-9680 Humboldtallee 36, 37073 Göttingen
asimon1@gwdg.de www.aem-online.de



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