Presseinformation
Presseinformation Nr. 014 vom 09. Februar 2012
Helmut-Bauer-Nachwuchspreis 2011 für MS-Forschung verliehen
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an zwei Nachwuchswissenschaftler: Dr. rer. nat. Simone Wüst aus Maryland (USA) und cand. med. Lukas Haider aus Wien.

(umg) Zum achten Mal hat die Universitätsmedizin Göttingen den Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose (MS)-Forschung vergeben. Der Preis wurde für das Jahr 2011 verliehen und geht zu gleichen Teilen von jeweils 5.000 Euro an zwei Nachwuchswissenschaftler der Neuroimmunologie. Veranstalter sind die Abteilungen Neuropathologie und Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen sowie das Institut für Multiple-Sklerose-Forschung (IMSF). Der Göttinger Helmut-Bauer-Nachwuchspreis ist der bestdotierte Nachwuchsförderpreis für Multiple Sklerose-Forschung in Deutschland. Das Preisgeld hat die Firma Biogen Idec gestiftet.
„Die Arbeiten beider Nachwuchswissenschaftler liefern neue, sehr grundlegende Erkenntnisse, um den Krankheitsverlauf und die Therapiemöglichkeiten von Multipler Sklerose besser zu verstehen. Die Forschungsergebnisse ihrer Arbeiten haben große Bedeutung, um künftige neue Therapien zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Direktor der Abteilung Neuropathologie. „Deshalb hat die Jury den Preis in diesem Jahr geteilt und zwei Nachwuchswissenschaftlern zuerkannt. Mit der Prämierung der Arbeit von Lukas Haider honoriert die Jury Forschungsergebnisse, die neue Erkenntnisse zur Pathogenese des Gewebeschadens bei der Multiplen Sklerose gebracht haben. Die Arbeit von Dr. Simone Wüst wurde prämiert, weil sie im Detail die Wirkung des monoklonalen Antikörpers Daclizumab bei der T-Zellaktivierung erforscht hat.“
Der 23-jährige Preisträger cand. med. Lukas Haider ist derzeit als PhD Student in der Abteilung Neuroimmunologie im Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien tätig. Den Preis erhielt er für seine Arbeit zum Thema „Oxidative damage in multiple sclerosis lesions“. Sie ist im Juli 2011 in der Fachzeitschrift Brain erschienen. Die Studie entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Lassmann, Leiter der Abteilung Neuroimmunologie der Medizinischen Universität Wien.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und führt zu Entzündungsherden in Gehirn und Rückenmark. Dabei werden Myelinscheiden und in geringerem Ausmaß auch Nervenzellen und ihre Fortsätze zerstört. Bisher verfügbare Therapien können den Verlust von Nervenzellen und ihren Fortsätzen, die sogenannte Neurodegeneration, nur zum Teil aufhalten. Dies liegt daran, dass die Mechanismen der Entmarkung und der Neurodegeneration bislang nur unvollständig aufgeklärt sind. In seiner Studie konnte Lukas Haider nachweisen, dass die Schädigung des Nervengewebes zu einem wesentlichen Teil durch Sauerstoff- und Stickoxid-Radikale erfolgt. Therapieverfahren, die die Bildung von Sauerstoff-Radikalen verhindern oder modulieren, könnten in Zukunft die für die Erkrankung typische fortschreitende Neurodegeneration zum Teil aufhalten.
Originalarbeit: Lukas Haider, Marie T. Fischer, Josa M. Frischer, Jan Bauer, Romana Höftberger, Gergö Botond, Harald Esterbauer, Christoph J. Binder, Joseph L. Witztum, and Hans Lassmann. Oxidative damage in multiple sclerosis lesions. Brain. 2011 July; 134(7): 1914-1924.
Die 33-jährige Preisträgerin Dr. rer. nat. Simone Wüst ist derzeit am National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) in Maryland, USA in der Ab-teilung Neuroimmunologie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. In der prämierten Arbeit hat sie den Einfluss des Antikörpers Daclizumab auf Immunzellen des Körpers untersucht. Daclizumab richtet sich gegen das Antigen CD25, das verstärkt auf aktivierten T-Zellen exprimiert wird. Momentan wird Daclizumab in klinischen Studien zur Therapie von Multipler Sklerose getestet. Dr. Wüst hat in ihrer Arbeit herausgefunden, dass Daclizumab selektiv das Antigen CD25 auf dendritischen Zellen (DCs) blockiert. Die dendritischen Zellen sind wichtige Antigen-präsentierende Zellen des Körpers und für die sogenannte T-Zell-Aktivierung notwendig, die für die Immunabwehr des Körpers verantwortlich ist. Diese Erkenntnisse könnten in der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) von großer Bedeutung sein: Denn bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einsatz des Antikörpers Daclizumab eine positive Wirkung bei der Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose hat.
Die prämierte Arbeit entstand während eines Forschungsaufenthaltes am National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) in Maryland (USA) im Labor von Dr. Bibiana Bielekova. Die Studie wurde im Mai des Jahres 2011 in der Fach-zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.
Originalarbeit: Simone C. Wuest, Jehad Edwan, Jayne F. Martin, Sungpil Han, Justin S.A. Perry, Casandra M. Cartagena, Eiji Matsuura, Dragan Maric, Thomas A. Waldmann, and Bibiana Bielekova. A vital role for IL-2 trans-presentation in DC-mediated T cell activation in humans as revealed by daclizumab therapy. Nature Medicine 2011 May; 17(5): 604–609.
Der Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose-Forschung ist nach dem ehemaligen Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Göttingen benannt. Prof. em. Dr. Helmut Bauer war von 1963 bis 1980 an der Neurologischen Klinik tätig. Der Nachwuchspreis würdigt Forschungsarbeiten über die Ursachen und neue Behandlungsstrategien bei Multipler Sklerose. Allen Bewerbungen liegen wis-senschaftliche Publikationen in international anerkannten neurowissenschaftlichen Fachzeitschriften zugrunde. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird von der Firma Biogen Idec aus Ismaning gestiftet.
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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Neuropathologie
Prof. Dr. Wolfgang Brück, Telefon 0551 / 39-22700
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