Presseinformation

Presseinformation Nr. 038 vom 04. März 2011

Wie plant der moderne Mensch das Älterwerden?

BMBF fördert Verbundprojekt zur Rolle der modernen Medizin bei der Planung des Alterns an der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin der UMG und dem Institut für Soziologie, Universität Erlangen-Nürnberg.


(umg) Das Älterwerden ist leichter geworden: Häufigen Alterskrankheiten können wir selbst aktiv vorbeugen. Die "Anti-Aging-Medizin" sucht sogar nach Mitteln und Wegen, den Alterungsprozess hinauszuzögern. Zugleich ist aber auch "Alt sein" und "Sterben dürfen" schwieriger geworden. Da ist die Patientenverfügung ein Weg, um bei der medizinischen Behandlung am Lebensende für sich persönlich Grenzen zu ziehen. – Diese neuen Möglichkeiten eröffnen jedem Einzelnen Chancen, das Altern und Sterben eigenverantwortlich zu planen und zu gestalten. Sie stellen jeden Menschen aber auch vor neuartige Herausforderungen, Alternativen und Risiken.

Wie gehen wir tatsächlich damit um? Richten wir unsere Lebensplanung und
-gestaltung daran aus? Haben sich unsere Vorstellungen vom Altern und Sterben aufgrund neuer medizinischer Entwicklungen verändert? Planen wir unser Leben im Alter deshalb anders als bisher? Das will ein Forscherteam aus Medizinethikern an der Universitätsmedizin Göttingen und Soziologen an der Universität Erlangen-Nürnberg untersuchen. Das interdisziplinäre Projekt "Biomedizinische Lebensplanung für das Altern. Werte zwischen individueller ethischer Reflexion und gesellschaftlicher Normierung" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre mit insgesamt rund 440.000 Euro gefördert. Die Koordination des interdisziplinären Verbundprojekts hat Prof. Dr. Silke Schicktanz, Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin (Direktorin: Prof. Dr. Claudia Wiesemann) der Universitätsmedizin Göttingen.

Im sozialwissenschaftlichen Teilprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Adloff vom Institut für Soziologie der Universität Erlangen-Nürnberg wird erforscht, welche Gedanken sich Menschen über das Älterwerden machen, was sie sich für ihr Altern wünschen und wie sie sich darauf vorbereiten. Die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wollen die Forscher u.a. durch Experteninterviews mit Vertretern maßgeblicher Institutionen im Gesundheitswesen beleuchten. Individuelle und kollektive Einstellungen und Werthaltungen sollen über Einzelinterviews und in Gruppendiskussionen mit persönlich Betroffenen rekonstruiert werden.

In dem bioethischen Teilprojekt unter der Leitung von Prof. Silke Schicktanz, Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin, wird das erhobene Datenmaterial unter ethischen Gesichtspunkten betrachtet. Die Medizinethiker interessiert dabei besonders, welche Vorstellungen vom "guten Leben" sich gerade im Blick auf die zweite Lebenshälfte entwickeln. Sie fragen auch danach, welche neuen Formen von "Verantwortung" entstehen und welche Probleme im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und Abhängigkeit auftreten.

Die Kooperation mit Wissenschaftlern in den USA eröffnet dem Projekt auch eine kulturvergleichende Perspektive. Die Frage dahinter ist: Gehen Menschen in Deutschland mit den neuen biomedizinischen Möglichkeiten der Lebensplanung anders um als Menschen in den USA? Insgesamt soll die Untersuchung neue Erkenntnisse darüber bringen, wie wir uns – ganz praktisch – in wichtigen Fragen zum Altern und Sterben im Zusammenhang der modernen Medizin orientieren können und sollen.


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Universitätsmedizin Göttingen
Georg-August-Universität Göttingen
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